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Fastenopfer: Dort helfen, hier für Umdenken sorgen

Fastenopfer-Direktor Patrick Renz in Senegal, wo das Hilfswerk das Aufforsten der Mangrovenwälder unterstützt. | © 2015 Fastenopfer / Vreni Jean-Richard
Fastenopfer-Direktor Patrick Renz in Senegal, wo das Hilfswerk das Aufforsten der Mangrovenwälder unterstützt. | © 2015 Fastenopfer / Vreni Jean-Richard

Wie muss die Kirche handeln, damit das «gemeinsame Haus» Erde, wie es Papst Franziskus in seiner Enzyklika «Laudato si’» nennt, auch morgen noch steht? Das «Kirchenschiff» nimmt das Thema in seiner Serie 2016 und 2017 auf. In der Ausgabe vom Februar 2016: Patrick Renz, Fastenopfer-Direktor.

Nachhaltig ist ein Modewort: Es ist positiv, langfristig zu denken und so zu arbeiten, dass die Wirkung lange anhält. Im Brundlandt-Bericht der UNO von 1987 steht, dass eine Entwicklung angestrebt wird, ‹die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen›.

Dieser vorwiegend ökologische Ansatz genügt nicht, um Projekte langfristig wirksam zu gestalten. Nur wenn Entwicklungsprojekte auch wirtschaftliche und soziale Gegebenheiten einbeziehen, sind sie realistisch, bringen sie echte Verbesserungen. Soziale Gegebenheiten schliessen auch den Einfluss von Religion und Kultur mit ein. Fastenopfer hat mit seinem kirchlichen Hintergrund dabei eine besondere Kompetenz.

Wir leben auf zu grossem Fuss

Doch Hilfswerke können nicht einfach armen Ländern Nachhaltigkeit verordnen, ohne die eigene Situation zu hinterfragen. Denn unser Lebensstil gefährdet nicht nur die künftigen Generationen, sondern trägt auch zur Armut in andern Weltregionen bei. Das Bundesamt für Statistik hat errechnet, dass unser ökologischer Fussabdruck in Bezug auf die Produktion von Nahrungsmitteln im Moment 4,7 Hektaren beträgt – das heisst, wir brauchen rund dreimal mehr Bodenfläche, als uns im eigenen Land zur Verfügung steht. Lebten alle Menschen auf so grossem Fuss, wäre die Erde innert kurzer Zeit ausgelaugt.

Aus diesem Grund macht sich Fastenopfer doppelte Arbeit – ganz im Sinne von ‹Laudato Si’›: Als Hilfswerk unterstützen wir einerseits Tausende von armen Familien in 14 Ländern, auf ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltige Weise ihre Produktion zu verbessern und somit besser zu leben. Andererseits zeigen wir mit der Ökumenischen Kampagne vor Ostern und mit der Entwicklungspolitischen Kampagne im Herbst, warum es in reichen Ländern notwendig ist, den Konsum zu verändern und zu reduzieren. Dass dies kein einfacher Weg wird, hat der Klimagipfel im November 2015 in Paris gezeigt: Nur in kleinen Schritten sind die reichen Staaten bereit, sich zugunsten der armen Länder einzuschränken. Obwohl inzwischen allen klar ist, dass deren Bevölkerung am meisten unter den Folgen des Klimawandels leidet.

Fastenopfer bleibt dran – als Anwältinnen und Anwälte für die benachteiligte Bevölkerung in 14 Ländern und für die Zukunft unserer aller Kinder. Gott hat uns eine fantastische Erde anvertraut. Aber nur eine.

Patrick Renz, Direktor Fastenopfer

Aus dem «Luzerner Kirchenschiff» vom Februar 2016. Zur ganzen Ausgabe und früheren Nummern: hier…