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Erzbischof Robert Zollitsch: «Die Zeichen der Zeit stehen günstig»

« Die Kirche ist mit Papst Franziskus kollegial  und synodal auf dem Weg in die Zukunft»: Erzbischof Robert Zollitsch bei seinem Vortrag in Luzern. | © 2016 Roberto Conciatori
« Die Kirche ist mit Papst Franziskus kollegial und synodal auf dem Weg in die Zukunft»: Erzbischof Robert Zollitsch bei seinem Vortrag in Luzern. | © 2016 Roberto Conciatori

Dank Papst Franziskus ist die Kirche auf dem Weg in eine neue Zukunft, ist Erzbischof Robert Zollitsch überzeugt. In Luzern sprach er über die Kollegialität der Bischöfe, die steigende Bedeutung von Bischofsversammlungen und die immer wichtigere Rolle der Ortskirchen.

Kollegial, in Austausch und Diskussion mit den Ortskirchen und weniger romzentriert. So sieht Erzbischof Robert Zollitsch (78), die Kirche der Zukunft. Anlass zu dieser hoffnungsfrohen Perspektive gibt dem ehemaligen Erzbischof von Freiburg (2013–2013) und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (2008–2014) Papst Franziskus selbst. Dieser offenbart seit seinem Amtsantritt vor gut drei Jahren in Wort und Tat den Willen zu einer Neuausrichtung und Öffnung der katholischen Kirche.

Im Rahmen des Forums Ökumene des Ökumenischen Institutes Luzern sprach Robert Zollitsch am 26. April vor zahlreichen Zuhörenden über die «Kirche im Aufbruch». Diese sei «kollegial und synodal» und «mit Papst Franziskus auf dem Weg in die Zukunft», wie bereits der Untertitel verriet.

Der Weg von Franziskus in die Zukunft habe schon unmittelbar nach seiner Wahl begonnen. In seinen Grussworten an die Gläubigen auf dem Petersplatz habe er sich nicht als Papst, sondern als Bischof der Kirche von Rom vorgestellt, «die den Vorsitz in der Liebe führt gegenüber allen Kirchen». Bischof und Volk gingen gemeinsam «einen Weg der Brüderlichkeit, der Liebe, des gegenseitigen Vertrauens», wie der Papst versicherte.

Eine Kirche, die aufbricht

Diese Worte sind gemäss Robert Zollitsch gleichsam zum Programm für das neue Pontifikat geworden. Franziskus habe ernst gemacht und schon im November 2013 im Lehrschreiben «Evangelii Gaudium» dargelegt, wie er sich die Kirche vorstellt, nämlich als Kirche, die aufbricht und auf die Menschen zugeht, bis an die Ränder der Gesellschaft. «Sie scheut sich nicht, sich Beulen zu holen, sich verletzen und verschmutzen zu lassen, weil sie auf die Strassen hinaus gegangen ist.» (EG 49)

Bezeichnend für Franziskus sei sein Amtsverständnis, das geprägt sei von Kollegialität. Der Kirche auf dem Weg stehe ein Papst vor, der sich zuerst als Bischof von Rom sehe und der die Kirche zusammen mit den anderen Bischöfen der Welt leite. Damit nimmt der Papst laut Zollitsch ein zentrales Anliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils auf, das die Kirche als Gemeinschaft von Ortskirchen versteht, die in gemeinsamer Pilgerschaft auf Christus und sein Reich hin unterwegs sind.

Das «aktive Mitgehen des Volkes Gottes»

Zu diesem weltkirchlichen Miteinander gehöre das «aktive Mitgehen des Volkes Gottes». Diesem sei ein authentischer Glaubenssinn eigen, den Zollitsch als «Instinkt des Glaubens» bezeichnet und den jeder Bischof bei seinen Entscheidungen zu berücksichtigen habe, so auch der Papst.

Erzbischof Zollitsch sprach von einer «pastoralen Neuausrichtung» der Kirche durch Franziskus. Den Ortskirchen käme zunehmende Bedeutung zu. Sie hätten eine eigene Kompetenz und verfügten durch die Bischofskonferenzen über ein «authentisches Lehramt». Rom könne nicht für alle entscheiden. Dies habe Papst Franziskus unmissverständlich festgehalten, wenn er in der Enzyklika «Evangelii Gaudium» von einer «heilsamen Dezentralisierung» spricht (Nr. 16). Entscheidungen, die vor Ort gefällt werden können, bedürfen nach der Meinung Zollitschs nicht der Bestätigung durch römische Instanzen. «Die römische Kurie steht im Dienst des Papstes und der Bischöfe und ist nicht Zensurbehörde.» Für Zollitsch ist das Prinzip der Subsidiarität aus der katholischen Soziallehre durchaus auch auf gesamtkirchlicher Ebene und in Lehrfragen anwendbar.

Die hörende Kirche

Gesamtkirchliche Entscheidungen müssten deshalb stets unter Beteiligung der Ortskirche gefällt werden. Bischofssynoden, die Versammlungen von Bischöfen aus aller Welt, sind denn auch ein wichtiges Arbeitsgremium für Papst Franziskus. Das habe jüngst unter anderem die Familiensynode gezeigt. Unter Einbezug der Ortskirchen in Form von Befragungen zum Thema sei in nie dagewesener Freiheit und Offenheit diskutiert und damit die «hörende Kirche» gelebt worden. Resultat sei das nachsynodale Schreiben «Amoris Laetitia», das wie kein anderes Dokument dieser Art die Stimmen der Synodenväter wiedergebe.

Kollegialität, Synodalität, Subsidiarität. Diese drei Stichworte fassen die neue pastorale Ausrichtung der Kirche im Pontifikat von Papst Franzisus in den Augen von Erzbischof Robert Zollitsch zusammen. Seine Freude über diese Entwicklung drückte er im Schlusswort aus: «Wir alle sind Zeugen eines Prozesses, wie die Kirche ein neues Gleichgewicht sucht. Diese gemeinsame Suche ist uns allen aufgetragen, mit dem Blick nach vorne. Dabei setzen viele ihre Hoffnung auf Papst Franziskus. … Ich bin dankbar für diesen Papst. Ich bin überzeugt, die Zeichen der Zeit stehen günstig. Und Ich lade sie ein, voller Zuversicht und Mut mit Papst Franziskus aufzubrechen.»

Urban Schwegler

Der Vortrag von Robert Zollitsch stiess auf reges Interesse und gab zu Diskussionen Anlass. | © 2016 Roberto Conciatori

Der Vortrag von Robert Zollitsch stiess auf reges Interesse und gab zu Diskussionen Anlass. | © 2016 Roberto Conciatori