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Erfinderische Kirche – Seelsorge in ausserordentlichen Zeiten

«Seelsorge der anderen Art» bedeutet auch eine Kommunikation der anderen Art. | © Gregor Gander
«Seelsorge der anderen Art» bedeutet auch eine Kommunikation der anderen Art. | © Gregor Gander

In diesem Beitrag sammeln wir die guten Ideen zu einer «Seelsorge der anderen Art». Eure guten Ideen aus dem Kanton Luzern. Hier erfahrt ihr, wie andere Pastoralräume und Pfarreien ihre Arbeit gerade anpacken. Wo haben sich Krisenstäbe gebildet und wie verhalten sich diese? Was sind die Ziele? Wie lautet die Botschaft? Und vor allem, welche Massnahmen wurden ergriffen? Hier sammeln wir Echo, Rückmeldungen, Konkretes, Erlebtes, Erfahrungen usw.

Wo anfangen? Es gibt so viele gute Beispiele. Und darum soll hier laufend aktualisiert und hinzugefügt werden. Die Reihenfolge stellt keine Wertung dar, die Ideen purzeln einfach laufend: ins Postfach, auf Facebook, in unsere Ohren. Ein Grund mehr, um Danke zu sagen. Danke euch allen fürs erfinderisch sein, für die Unterstützung, wo sie nötig ist, fürs Dasein, wo ihr gebraucht werdet.

Kollekte muss nicht wegfallen

Claudio Tomassini, Seelsorger und Pfarreileiter in Sursee, schreibt in der Surseer Woche vom 19. März: «Heute sind äussere Massnahmen wichtig. Jede und jeder muss dazu beitragen. Ebenso ist das Gebet eine innere Kraft. Alle können dazu beitragen, jede und jeder auf seine Art und Weise still und fromm, singend im Herzen und überall.»

Eine dieser Massnahmen wird im kommenden Pfarreiblatt sichtbar. Dort fällt die Seite für die Gottesdienste jetzt weg. Und man könnte meinen, das Corona-Virus fresse nun auch die Sonntagskollekte. «Das würde dann wieder die Schwachen treffen», sagt Tomassini, und ist überzeugt: «Man kann auch von zuhause aus spenden. Wenn man möchte, gehts.» Nach dem Motto «Jetzt erst recht!» wird die Sonntagskollekte also ausgeschrieben und ganz pragmatisch mit der Kontonummer versehen. So könnte auch einem Spendeneinbruch fürs Fastenopfer am Palmsonntag entgegengewirkt werden.

Dazu passt auch «Was nicht abgesagt ist», ein Wort zum Tag, das am 20. März auf der Webseite der Pfarrei St. Georg Sursee zu lesen war. Gemeint ist der Frühlingsanfang. Dieses Jahr leiser als sonst.

«zwölfnachzwölf»

In der Peterskapelle in Luzern hingegen findet ein täglicher Mittagsimpuls statt, um innezuhalten, um aufzuatmen. Alles ohne physischen Kontakt natürlich, darum als Livestream. jeden Mittag zwischen ca. 12.12 und 12.24 Uhr.

Der Pastoralraum Horw wünscht e Guete!

In Horw läuft seit heute Montag (23. März) ein Angebot, das doppelten Nutzen hat. Das Pastoralraumteam bietet jenen, die zu einer Risikogruppe gehören, einen Mahlzeitendienst für vergünstigte Mittagessen an. «Einerseits können wir Sie so vom Einkaufen entlasten und andererseits unterstützen wir damit das lokale Gewerbe», heisst es in der Information, die in alle Haushaltungen gelangte. Gekocht wird vorläufig im Restaurant Felmis; hält die Nachfrage an, werden sich weitere Restaurants einklinken. Danach sieht es aus, denn «das Angebot zeigt Wirkung», sagt Kirchenrat Dominik Müller, der das Pastoralraumteam in der Kommunikation unterstützt. Am ersten Tag wurden schon 24 Mittagessen ausgeliefert.

In der «Felmis»-Küche sind die Fachleute an der Arbeit; beobachtet vom katholischen Pfarrer Benedikt Wey (hinten rechts) und dem reformierten Jonas Oesch (links). | © 2020 Dominik Müller

Ein solches kostet für die Abnehmer zehn Franken und wird vom «Felmis» ins Haus geliefert. Das ist kein kostendeckender Preis; den Rest übernimmt die Kirchgemeinde. «Wir halten den Preis bewusst so niedrig, damit möglichst viele dieses Angebot in Anspruch nehmen können», lautet der Grundsatz. Selbstverständlich ist auch die Zusammenarbeit mit der Reformierten Kirchgemeinden, einbezogen ist zudem die Spitex mit ihrem ordentlichen Mahlzeitendienst. 

Wer den Service in Anspruch nehmen will, meldet sich bis 12 Uhr des Vortags beim Pfarreisekretariat (041 349 00 60 oder info@kathhorw.ch). Zwischen 11.30 Uhr und 12.30 Uhr wird das Essen geliefert. E Guete!

Die «FrauenKirche» bietet Zoom-Veranstaltungen an. Und mehr

Die «FrauenKirche Zentralschweiz» lädt zu Echtzeit-Treffen über die Plattform Zoom ein, über die sich bis zu 100 Teilnehmende verbinden können – in der kostenlosten Version bis zu 40 Minuten lang. Die Anmeldung für diese Treffen läuft über fachstelle@frauenkirche-zentralschweiz.ch. Die Interessierten erhalten dann den Link zum virtuellen Treffpunkt per Mail. Los ging es schon am Samstag (21. März) mit dem italienischen Märchen «Perina», erzählt von Moni Egger. Heute Abend (23. März) sind «Lieder und Stille» mit Birgitta Hugentobler angesagt. Weitere Angebote folgen, verspricht Fachstellenleiterin Regula Grünenfelder. Die Übersicht gibts auf frauenkirche-zentralschweiz.ch.

Derweil wurde in der Frauen*streik-Whatsapp-Gruppe eine Liste von feministischen Unterhaltungsmedien gepostet, eine Sammlung von Pod-Casts, Büchern und Filmen, bei denen sich verweilen lässt, wenn «richtige» Besuche nicht drinliegen.

In Willisau erklang das Alphorn vom Kirchturm

Es braucht mitunter wenig, um ans Herz der Menschen zu rühren, wenn die Zeiten herausfordernd sind. In Willisau erklang am Sonntag (22. März) zum Beispiel ein Alphorn vom Kirchturm. Herzerwärmend. Tele Napf strahlte am gleichen Morgen einen Gottesdienst aus, den der Lokalsender am Freitag zuvor aufgenommen hatte. Am Altar stand Pfarreileiter Andreas Wissmiller, die Lesung sprach Kirchgemeindepräsidentin Evelyne Huber-Affentranger, am Piano spielte und sang Ruedi Kaufmann.

«Eine neue Situation – Kirche lebt ja davon, dass Menschen in persönlichem Kontakt sind», sagt Andreas Wissmiller. Jetzt gehe es darum, andere Formen von Begegnung zu schaffen, «um Freude zu bereiten und Mut zu machen». Pfarreiseelsorgerin Christine Demel tut dies zum Beispiel mit Briefen an Betagte und Telefonanrufen zu ihnen. Er erlebe die Pfarrei-Mitarbeitenden hoch motiviert, aus der Lage das Beste herauszuholen, sagt Wissmiller. «Es braucht einfach Phantasie, Kreativität und viel Kommunikation.» Unter anderem werde die Website, bis jetzt wenig aktuell genutzt, stärker einbezogen.

Ideen für die kommende Zeit gibt es laut Wissmiller auch schon. Der künftige pfarrverantwortliche Priester Kulandai Fernando werde voraussichtlich die Passionsgeschichte aufnehmen lassen, mit Bildern hinterlegt, Christine Demel die Osterpredigt; die Videos werden dann aufgeschaltet. Für das Osterfeuer gibts auch schon eine Idee: Es könnte dieses Jahr vor der St. Niklausenkapelle entzündet werden, die weitherum sichtbar ist.

Geistliche Unterstützung erhalten aus dem Kloster Baldegg

Im Kloster Baldegg sind wegen des Coronavirus zurzeit die Klosterherberge und das Klosterkafi geschlossen und im Bildungshaus Stella Matutina in Hertenstein vorläufig alle Angebote, Veranstaltungen und die öffentlichen Gottesdienste abgesagt. «Wir sind aber auf andere Weise für Sie da», schreiben die Schwestern. Wer in dieser schweren Zeit psychologische Hilfe suche, ein helfendes Gespräch oder geistliche Unterstützung brauche, solle eine Mail mit der Telefonnummer schreiben oder anrufen. Die Schwestern vereinbaren dann ein Telefongespräch. Die Kontaktangaben:

Psychologische Beratung

Geistliche Begleitung

In der Pfarrkirche Adligenswil laden Texte zum Innehalten ein

In Adligenswil hat Seelsorger Rolf Asal die Pfarrkirche auf einfache und schlichte Weise für die gottesdienstloste Zeit etwas umgestaltet. Vor dem Altar steht die Osterkerze und daneben und davor stehen drei Ständer mit Texten. Zu Füssen der Ständer liegen Kopien zum Mitnehmen. Links bei der Mutter Gottes können Kerzen angezündet werden.

Der Altarraum der Pfarrkirche Adligenswil. Vor dem Altar steht die Osterkerze und daneben und davor stehen drei Ständer mit Texten. | © 2020 Rolf Asal

In einem der Texte, einem Gedicht von Max Ehrmann (1872–1945),  heisst es am Anfang: «Bleibe gelassen inmitten von Lärm und Hast und bedenke, welchen Frieden uns die Stille zu geben vermag.» Und am Schluss: «Trotz aller Täuschungen, Plage und zerbrochener Träume ist es immer noch eine schöne Welt. Sei vorsichtig. Strebe danach, glücklich zu sein.»

Im Pastoralraum Hürntal gibt es das «Gebet um drei»

Jeweils um drei Uhr nachmittags läuten im Pastoralraum Hürntal (Pfarreien Dagmersellen und Uffikon-Buchs) die Betglocken. Dies ist eine Einladung zum gemeinsamen Gebet. «Gross und Klein, Jung und Alt können zu Hause mitmachen. Beten stärkt das Bewusstsein, nicht allein zu sein», heisst es auf der Website des Pastoralraums. Beten verbinde, richte die Seele auf das Hoffnungsvolle aus und mache Mut.

Hier findet sich Gebetstext. Ein Mitglied des Seelsorgeteams hält das Gebet jeweils um drei Uhr in einer der Kirchen (Sonntag, Montag, Dienstag und Freitag in der Kirche Dagmersellen; Mittwoch und Samstag in Uffikon; Donnerstag in Buchs). Wer wünscht, dass bei diesem Gebet ganz besonders an ihn oder sie gedacht wird, kann dies den Seelsorgenden mitteilen.

  • Dieser Beitrag wird laufend erweitert.

Ökumenische Aktion

Die evangelisch-reformierte und die römisch-katholische Kirche in der Schweiz setzen in Zeiten der Corona-Krise zusammen ein Zeichen der Verbundenheit, Gemeinschaft und Hoffnung. Bis Gründonnerstag werden im ganzen Land jeweils am Donnerstagabend um 20 Uhr die Kerzen auf den Fenstersimsen entzündet. Die Menschen sind zum gemeinsamen Gebet eingeladen.

Kirche trotz Corona

Diese Auflistung verschafft einen Überblick zu neuen, anderen kirchlichen/seelsorgerischen Angeboten, die momentan überall im Kanton Luzern Form annehmen. Seelsorge trotz Corona. Trotz Social Distancing. Denn jetzt ist Umdenken gefragt.