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Ein buntes Kirchenhaus mit 24 Räumen – Projekt PEP im Kanton Luzern vor dem Abschluss

Lange 17 Jahre nach dem Start kommt das Projekt Pastoralräume im Kanton Luzern zum Abschluss. Veränderungen bräuchten eben Zeit, sagt der Bischof. Die gewachsene Zusammenarbeit sei indes «für alle ein Gewinn», meint Bischofsvikar Hanspeter Wasmer.

«Papier bleibt bekanntlich geduldig», sagte der damalige Bischof Kurt Koch am 26. November 2006. Am Christkönigssonntag jenes Jahres übergab er die Kerndokumente des PEP, des «Pastoralen Entwicklungsplans Bistum Basel», den Verantwortlichen in den zehn Bistumskantonen. Koch sollte recht behalten: Die letzten Luzerner Pastoralräume werden 2022 errichtet, wenn die Pfarreien Littau und Reussbühl zu Luzern stossen sowie Escholzmatt, Marbach und Wiggen mit dem Pastoralraum Mittleres Entlebuch zum «Oberen Entlebuch» werden.

«Schwierige Aufgabe»

Dabei hatte das Bistum von Beginn weg betont, Strukturen stünden nicht im Mittelpunkt des PEP. Der Priestermangel habe zwar «alarmierende Ausmasse» angenommen, sagte Kurt Koch am 23. November 2006 vor den Medien. Dieser sei aber nur ein Anlass für die neue Pastoralplanung. Gleichwohl gab in den folgenden Jahren die Absicht, die Seelsorge überpfarreilich zu regeln und dazu Pastoralräume zu schaffen, am meisten zu reden. 2009 setzte das Bistum dazu einen Richtplan in Kraft, der seither nach und nach umgesetzt wird. Inzwischen sind bistumsweit vier Fünftel der gut 100 Pastoralräume errichtet.

Veränderungsprozesse gehörten eben «zu den schwierigsten Aufgaben», sagt Bischof Felix Gmür, der das Projekt PEP 2011 von seinem Vorgänger übernahm. Er erinnert an die grosse Zahl Pfarreien und Kirchgemeinden in seinem Bistum und sagt, man dürfe nicht vergessen, «dass überall demokratische Entscheidungen gefällt werden mussten». Es sei von Anfang an klar gewesen, dass das Projekt «eher länger als kürzer dauern» werde. Gmür hebt wie schon Koch hervor, das «primäre Ziel» des PEP sei nicht die Struktur, sondern «die stärkere seelsorgliche Ausrichtung auf die jeweilige Region».

«Ein Gewinn»

Dies könne «für alle ein Gewinn sein», stellt Hanspeter Wasmer, Bischofsvikar für die Kantone Luzern, Zug, Thurgau und Schaffhausen, fest. Er war 2006 Pfarrer in Meggen und erinnert sich, dass er damals den Weg hin zu einem Pastoralraum «als sehr kompliziert» empfand. Manchenorts sei befürchtet worden, das Bistum wolle die örtliche Selbständigkeit schwächen. Kleine Pfarreien hätten dann nach Erfahrungen mit den ersten Pastoralräumen gemerkt, dass sie lebendig bleiben und «von vielen Kompetenzen des ganzen Pastoralraums profitieren» könnten. Die gewachsenen Teams sind für Wasmer der grösste Vorteil: «Sie ermöglichen ein vielfältigeres Angebot für alle Pfarreien.» Das komme allen Kirchenmitgliedern zugute. Das knappe Personal könne gezielter eingesetzt werden.

Kanonische Errichtungen

Luzern, grösster Kanton des Bistums, zählt 100 Pfarreien. Bis 2022 werden sich 99 davon zu 24 Pastoralräumen verbunden haben. (Die 100. Pfarrei, Meierskappel, gehört seit 2012 zum Pastoralraum Zugersee Südwest.) Drei Pastoralräume sind vergangenes Jahr kanonisch errichtet worden, das heisst auf bischöfliche Anweisung gleichzeitig mit dem Stellenantritt der neuen Leitung. «Region Willisau» – ebenfalls kanonisch errichtet – kam mit Jahresbeginn 2021 hinzu. Der Pastoralraum Hitzkirchertal wird im Mai errichtet; für den Verbund der Pfarreien Altishofen, Nebikon, Schötz und Egolzwil-Wauwil steht der Termin fest (23. November), der Name ist noch offen.

Grössere Pastoralräume?

Der Trend geht zu grösseren Pastoralräumen, was der Anschluss von Littau und Reussbühl an Luzern und das Verschmelzen von Escholzmatt-Wiggen und Marbach mit dem «Mittleren Entlebuch» 2022 andeutet. Ob es für das ganze Entlebuch bald nur noch einen Pastoralraum gebe, fragte der «Entlebucher Anzeiger» Anfang November Urs Corradini, Leiter des Pastoralraums Mittleres Entlebuch. Seine Antwort: «Das ist zwar aktuell kein Thema, aber denkbar ist es schon.» Bischof Felix Gmür sagt jedenfalls, die gesellschaftliche Entwicklung gehe rasch voran und werde zum Beispiel immer mehr von der Digitalisierung geprägt. «Es gibt noch einzelne Gemeinden, die sich gegen diese Entwicklung sträuben», stellt Gmür fest. «Früher oder später werden sie jedoch sehen, dass sich das Rad der Zeit nicht zurückdrehen lässt.»

Dominik Thali

Der PEP und Die Pastoralräume

Die Pastoralräume sind ein Teil des PEP, des «Pastoralen Entwicklungsplans Bistum Basel». Nach drei Jahren Vorarbeit begann im Herbst 2006 unter dem Titel «Den Glauben ins Spiel bringen» dessen praktische Umsetzung. Den Kern des PEP bilden vier Leitsätze, deren letzter am meisten zu reden gab und gibt: «Personal, Strukturen und Mittel auf die Pastoral ausrichten».

Grundsätzlich solle der PEP aber «Orientierungen für das seelsorgliche Handeln des Bistums Basel im Hier und Heute auf die Zukunft hin» geben, wie es beim Start hiess. Bischof Kurt Koch hob damals die «rasante Säkularisierung» der Gesellschaft hervor. Lernorte des Glaubens wie Familie und Schule stünden mit Blick auf dessen Weitergabe «im Zeichen einer unübersehbaren Erfolglosigkeit».