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«Dual stark» – die Bilanz: «Es ist wichtig, das Bewusstsein zu stärken»

Dual stark: Margrith Mühlebach-Scheiwiller, Bistumsregionalverantwortliche und Annegreth Bienz-Geisseler, Synodalratspräsidentin. | © 2019 Dominik Thali
Dual stark: Margrith Mühlebach-Scheiwiller, Bistumsregionalverantwortliche und Annegreth Bienz-Geisseler, Synodalratspräsidentin. | © 2019 Dominik Thali

Das duale System der katholischen Kirchen in der Schweiz ist herausfordernd, aber letztlich voller Chancen: Margrith Mühlebach-Scheiwiller, Bistumsregionalverantwortliche, und Annegreth Bienz-Geissler, Synodalratspräsidentin, ziehen nach den zwei Schwerpunktjahren dazu Bilanz.

Weshalb machte man das duale System zum Schwerpunktthema? Hatten die Verantwortlichen in den Kirchgemeinden und Pfarreien sozusagen «Nachhilfe» nötig?

Grundsätzlich wissen sie um das duale System, sind sich dessen in der täglichen Arbeit aber oft zu wenig bewusst. Neue Kirchenratsmitglieder wiederum kennen es noch nicht. Sie hören davon in der Amtseinführung, die Umsetzung im Alltag ist jedoch nicht einfach. Kirchenrätinnen und -räte bewegen sich im öffentlich-rechtlichen Rahmen und müssen gleichzeitig das duale System leben.

Auch die pastoral Verantwortlichen vor Ort erleben die Situation als komplex und anspruchsvoll. Es war deshalb wichtig, dass wir in diesen zwei Jahren das Bewusstsein für das duale Neben- und Miteinander gestärkt haben.

Wo liegen die Wissenslücken? Welches sind die Herausforderungen?

Wissenslücken orten wir bei neuen Kirchenräten, wenn es ums Umsetzen geht. Schwierig ist das aber eigentlich nur, wenn vor Ort die Kommunikation und die Zusammenarbeit nicht funktionieren. Oder etwa in Personalfragen, wenn die persönliche Betroffenheit mitspielt.

Herausfordernd kann es für ein Kirchenratsmitglied sein, einem Gemeindemitglied das duale System erklären zu müssen. Wenn zum Beispiel jemand ein Anliegen zur Liturgie hat oder ein Problem mit dem Religionsunterricht, dann muss diese Person sich an die Pfarreileitung wenden und nicht den Kirchenrat. Ein anderes Beispiel: Jemand lässt sich in den Kirchenrat wählen, der sich zugleich in der Pfarrei engagiert. Da wird es schwierig, sich zur einen oder anderen Seite abzugrenzen. Bei Bauprojekten hingegen ist das Bewusstsein gewachsen, dass es wichtig ist gemeinsam unterwegs zu sein. Da haben wir einiges erreicht.

Auf welcher Seite des dualen Systems gibt es eher Probleme, auf der pastoralen oder staatskirchenrechtlichen?

Die Abgrenzung und das Akzeptieren der je eigenen Aufgaben und Kompetenzen ist nicht immer einfach. Man redet sich gerne gegenseitig drein.

Wie haben Synodalrat und Bistumsregionalleitung die Schwerpunktjahre genutzt, um gemeinsam für das Thema zu werben?

Wir gehen nicht erst bei Konflikten ins Gespräch, sondern schon vorher, wenn das Thema komplex ist. Wir fördern die gegenseitige Kommunikation; auch schon brauchte es kurzfristig vor Ort eine Art Crash-Kurs. Auch bei den Einführungen neuer Behördenmitglieder treten wir selbstverständlich gemeinsam auf. Miteinander verkörpern wir sozusagen die duale Struktur.

Dem Stern nach: Das «dual stark»-Boot fährt in den weihnächtlich erleuchteten Hafen ein. | © Cartoon Jonas Brühwiler

Das duale System sei «stark, aber auch sensibel», sagte Bischofsvikar Ruedi Heim im Januar 2018 zum Start der beiden Schwerpunktjahre. Wo und wie haben Sie 2018 und 2019 das erlebt?

Sensible Momente gibt es in schwierigen Personalsituationen auf beiden Seiten, insbesondere bei Personalwechseln, wenn man die Nachfolge im Kirchenrat oder in der Seelsorge nicht angemessen regeln kann. Man möchte eben das behalten, was man hat. Wo es Unsicherheit gibt, ist Abgrenzung schwierig.

Eine Kirchmeierin sagte im « Kirchenschiff», mögliche Amtsträgerinnen und -träger müssten vor der Wahl mehr wissen über das duale System.

Ein berechtigtes Anliegen. Kirchenratsmitglieder sind besonders herausgefordert, weil sie im Milizsystem tätig sind, pastorale Mitarbeitende ausländischer Herkunft wiederum kennen das duale System überhaupt nicht. Es könnte sinnvoll sein, jeweils vor Gesamterneuerungswahlen der staatskirchenrechtlichen Behörden zu einer Informationsveranstaltung einzuladen. Das löst allerdings das Problem bei Wechseln während der Amtszeit nicht.

Haben Sie sich das duale System auch schon zum Kuckuck gewünscht, wenn Sie in einer Situation schneller und eigenmächtiger handeln wollten?

Das duale System hat auch grosse Vorteile. Macht und Einfluss sind verteilt, die Verantwortung kann geteilt werden. Hier Theologie und Seelsorge, da Finanzen oder Immobilien: Die Kompetenzen sind auf beiden Seiten verschieden, können und müssen so genutzt werden. Die zwei Seiten sind gezwungen, im Austausch zu sein. Zum Kuckuck gewünscht haben wir das noch nie, im Gegenteil. Wir sehen die Chance darin, zu zweit unterwegs zu sein. Seine je eigene Kompetenz klar zu vertreten, stärkt das Ganze und zeugt von Respekt und Wertschätzung.

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt. Margrith Mühlebach-Scheiwiller und Annegreth Bienz-Geisseler haben die Fragen gemeinsam beantwortet.

Dual stark (XIX)

In der katholischen Kirche in der Schweiz verantworten Seelsorge und Behörden die Kirche gemeinsam. Das «Kirchenschiff» lässt Personen zu Wort kommen, die in diesem dualen System tätig sind. In dieser Ausgabe ziehen Synodalratspräsidentin Annegreth Bienz-Geisseler und Margrith Mühlebach-Scheiwiller, Bistumsregionalverantwortlich, Bilanz über die zwei «dual stark»-Schwerpunktjahre 2018 und 2019.