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Die Physikerin, die Theologie cool findet

Sie doktorierte in Computerphysik und schliesst jetzt das Zweitstudium in Theologie ab: Karin Reinmüller. | © 2016  Sibylle Peter
Sie doktorierte in Computerphysik und schliesst jetzt das Zweitstudium in Theologie ab: Karin Reinmüller. | © 2016 Sibylle Peter

Sie hat Physik studiert, fürs englische Wetteramt und Schweizer Banken Software entwickelt – und wird jetzt, mit 48, Seelsorgerin. Im Sommer schliesst Karin Reinmüller das Theologiestudium an der Universität Luzern ab und wird Seelsorgerin.

Ihr Lachen steckt an und ihre Überzeugung ist fest: «Ich kann Menschen helfen.» Im ersten Semester arbeitete die quirlige Frau aus Schwaben noch nebenher als Software-Ingenieurin, setzte dann aber ganz auf die Theologie. «Ein cooles Fach. Hab’ ich nie bereut», meint sie. Es sei ihr dann bald klar geworden, dass sie auch in der Kirche arbeiten wolle. Karin Reinmüller lockt die Spezialseelsorge; vorerst macht sie in einer Pfarrei in Winterthur das Pastoraljahr.

Der Wendepunkt im Leben
Dieser Weg war keineswegs vorgezeichnet. Reinmüllers Vater war Chemielehrer, in dessen Bibliothek fand sie die Bücher über Relativitätstheorie am spannendsten. In einem nicht praktizierenden, lutherischen Elternhaus aufgewachsen, fand die junge Frau über eine charismatische Gruppe zum katholischen Glauben und konvertierte mit 23. Heute bezeichnet sie sich als «viel progressiver», sie sei aber «froh darum, diesen Wendepunkt in meinem Leben zu haben».
Weil sie die damals aufkommenden grossen Rechner faszinierten, doktorierte Karin Reinmüller in Computerphysik, fing an, fürs englische Wetteramt Programme zu schreiben, wurde IT-Consulterin in Deutschland und landete schliesslich als Software-Entwicklerin für Banken in der Schweiz. Bis die innere Unruhe wuchs. «Es hat mir nicht ausgehängt. Aber ich brannte nicht mehr für mein Fach. Und wollte nochmals etwas Neues machen.» Reinmüller war schon an der Hochschulgemeinde aktiv gewesen, machte in Bibelkreisen mit oder begleitete Online-Exerzitien. Weil sie dann «mal sehen [wollte], was Theologie so ist», schrieb sie sich für den Studiengang Theologie ein und wechselte später an die Universität Luzern, wo sie das Studium jetzt abschliesst.

Die ungelöste Frage
Die Verbindung ihrer Fächer gefällt Karin Reinmüller. «Wo die Naturwissenschaft aufhört zu fragen, fängt die Theologie erst an und kommt Gott ins Spiel.» Eine «grosse Frage» ist für sie freilich ungelöst: «Den Urknall und die Schöpfung bringt die Theologie wunderbar zusammen.» Reinmüller schmunzelt: «Sie geht aber auch davon aus, dass die Welt mal ein Ende hat. Das lässt sich mit der Physik kaum vereinbaren.»

Dominik Thali

Aus dem «Luzerner Kirchenschiff» vom Juni 2016. Zur ganzen Ausgabe und früheren Nummern: hier…


Gefragtes Fernstudium

An der Universität Luzern studieren zurzeit 169 Personen Theologie. Dank des vor drei Jahren eingeführten Fernstudiums steigt das Interesse. Zurzeit sind 71 Personen im Fern- und 75 im Präsenzstudium eingeschrieben, hinzu kommen 23 Doktorierende. Insgesamt zählt die Fakultät 264 Studierende; dazu gehören auch jene des Religionspädagogischen Instituts. «Es gibt eine ganze Reihe von Studierenden mit höchst interessanten Werdegängen», stellt Fakultätsmanager Stephan Müller fest. «Nicht selten packt heute jemand Theologie als Zweitstudium an, dies nach einem ersten Studium und Berufspraxis. Dadurch öffnet sich auch für die Kirche ein interessantes neues Feld.»