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Die neue Synodalrätin Brigitte Glur-Schüpfer: «Mal schauen» und das Leben wagen

Die Weite dieses Platzes mag sie an ihrem Arbeitsort besonders: Brigitte Glur-Schüpfer am Rand des Friedhofs Udligenswil, gleich neben Kirche und Pfarrhaus. | © 2017 Dominik Thali
Die Weite dieses Platzes mag sie an ihrem Arbeitsort besonders: Brigitte Glur-Schüpfer am Rand des Friedhofs Udligenswil, gleich neben Kirche und Pfarrhaus. | © 2017 Dominik Thali

In ihrem Leben packt Brigitte Glur Gelegenheiten, wenn sie sich bieten. Zum Beispiel, im Synodalrat mitzuarbeiten. Die promovierte Theologin, Bildungsfachfrau und Seelsorgerin mag Mitreisser lieber als Mitläufer. Ein grosses Pensum? Kein Problem, solange für das Singen Zeit bleibt.

«Cool, das wäre schön», sagte sich Brigitte Glur, als sie für den Synodalrat angefragt wurde. Neue Themen, sich weiter vernetzen, ein Ressort, das ihr liege – Ökumene, strategische Führung der Fachbereiche: Es gab keinen Grund, zu zögern. Die Mitarbeit im Synodalrat ist für Brigitte Glur seit dem Amtsantritt im Mai «eine Bereicherung, weil mich viel motiviert und es aus Freude geschieht».

Theologie statt Musik
Energie schöpft Brigitte Glur aus dem Tun, nicht dem Lassen. Sie habe zudem «das Glück, dass ich ein gutes Grund- und Gottvertrauen habe und ein optimistischer Mensch bin». Das war bei ihr schon immer so. Etwa nach der Matura, als sie sich für das Theologiestudium entschied und der Vater fragte, was sie «als Frau» denn in diesem Fach wolle. Nicht weil ihm der Plan missfiel, sondern weil er sich, in einer katholisch-konservativen Pfarrei aufgewachsen, nicht vorstellen konnte, dass sich seine Tochter mit Theologie dereinst das Brot verdienen könne. «Das luege mer dänn», hielt diese den Bedenken entgegen, und schrieb sich, statt wie erst geplant an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik, an der Theologischen Fakultät ein. Dabei hatte sie das Blockflötendiplom bereits in der Tasche und führte den Geigenbogen sicher. Musik ist ihr aber nach wie vor wichtig; das Singen in Chören und die Gesangstunden sind für Brigitte Glur Tankstellen: «Das tut mir einfach gut.»
Denn an Herausforderungen, die ihr angetragen werden, mangelt es seit der Studienwahl nicht. Brigitte Glur stand schon während des Studiums in Klassenzimmern, machte danach das Primarlehrdiplom und war lange Zeit als «didaktischer Doppeldecker» unterwegs, wie sie ihre damalige Tätigkeit nennt: Selbst Schule geben und am Seminar angehende Lehrerinnen und Lehrer unterrichten. Solcher Praxisbezug ist ihr wichtig, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Er kam ihr auch zupass, als sie an der Pädagogischen Hochschule das Fach Ethik und Religionen aufzubauen half.

«Vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten»
Der Praxisbezug war es auch, der Brigitte Glur vor vier Jahren in die Pfarreiarbeit zog. Die Dissertation war (2011) endlich publiziert, der 50. Geburtstag in Sichtweite, Veränderung also willkommen. Brigitte Glur stieg 2013 in die Berufseinführung ein und ist seit 2015 Pastoralassistentin in den Meggerwald-Pfarreien. Sie schätze «die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten» in ihrem Alltag und den Umstand, «immer bei den Menschen» sein zu können – «vom Taufgespräch bis zur Sterbebegleitung».
Brigitte Glur hat ihr Büro im Pfarrhaus Udligenswil, der Blick reicht weit. Die neue Synodalrätin weiss, worauf sie sich eingelassen hat. Der kirchliche Boden wird brüchig. «Was braucht es wirklich für eine gute Zukunft? Worauf kann man allenfalls verzichten?» Da wolle sie mitgestalten, sagt Brigitte Glur.

Dominik Thali

Brigitte Glur-Schüpfer

Die neue Synodalrätin der Luzerner Landeskirche, Brigitte Glur-Schüpfer, 53, wuchs in Rickenbach in einer Handwerkerfamilie als Älteste von drei Kindern auf. Sie studierte Theologie in Luzern und Tübingen, erwarb das Primarlehrdiplom, erteilte ab 1988 Religionsunterricht und war als Lehrerin, Dozentin, Fachleiterin und Mentorin an Primar- und Mittelschulen sowie an der Pädagogischen Hochschule tätig. Seit 2015 ist Brigitte Glur Pastoralassistentin im Pastoralraum Meggerwald-Pfarreien. Sie ist verheiratet mit Thomas Glur, hat einen 16-jährigen Sohn und lebt in Meggen.