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Die Kurie an den Fasnachtstagen in der Leuchtenstadt: Der Papst besucht Luzern zu dritt

Bei der Anprobe der päpstlichen Soutanen mit Schneiderin Valeria Hess (von links): Urban Schwegler, Herbert Gut und Franz Zemp. | © 2017 Dominik Thali
Bei der Anprobe der päpstlichen Soutanen mit Schneiderin Valeria Hess (von links): Urban Schwegler, Herbert Gut und Franz Zemp. | © 2017 Dominik Thali

Der Heilige Vater hat drei Doppelgänger in Luzern. An der Fasnacht lässt er sich von ihnen sogar aufs Korn nehmen. Dann treiben die Päpste Franz, Herbert und Urban als urbi@orbi mit der Kirche ihre Spässe.

Urbi@orbi sei die direkte Mailadresse des Papstes, weiss dessen Namensvetter in Luzern, Franz Zemp. Davon habe er letztes Jahr an der Fasnacht erfahren. «Er hat dann aber nicht auf meine Nachricht reagiert. Offenbar ist im Vatikan der Server kaputt.»

Zemp und seine zwei Mitpäpste predigen heuer deshalb ohne Strom und Kabel: Als Triumvirat urbi@orbi sind sie als Schnitzelbänkler unterwegs, um das Kirchengeschehen auf die Schippe zu nehmen. Co-Papst II ist Herbert Gut, Nummero III Urban Schwegler. Zemp leitet die Maihof-Pfarrei in Luzern und ist Gassenseelsorger, Gut ansonsten «Papst» in der Pfarrei St. Johannes und Schwegler für die Verlautbarungen des Pastoralraums Luzern verantwortlich.

«Kirche hat das bitter nötig»

Die Kirche fasnächtlich verulken – darf man das? Aber sicher, meinen die drei Theologen. Denn erstens: «Wenn wir nicht mehr über uns selber lachen, dann wirds sehr traurig… Schnitzelbänke sind eine Form von Selbstkritik», findet Franz Zemp. «Zudem: Jesus wurde auch schon als Narr bezeichnet. Ein Narr sagt die Wahrheit. Er spielt mit Tatsachen und Ansichten, verdreht sie, um eine Botschaft zu machen. Die Kirche hat das bitter nötig, damit sie nicht noch verstaubter daher kommt.»

Zum Glück aber, sagt Urban Schwegler, habe die Kirche «noch immer viel Lustiges zu bieten». Was weniger lustig sei, werde «durch den fasnachtspoetischen Fleischwolf gedreht, bis wir und hoffentlich auch andere darüber lachen können.»

Bedenken, religiöse Gefühle zu verletzen, haben die drei «Päpste» mitnichten. Herbert Gut sieht vielmehr «eine ferne Verwandschaft» in den Sprüchen der Propheten des Alten Testaments und Schnitzelbänken. «Beide sind in der Regel bei aller Kritik letztlich aufbauend ausgerichtet und zielen auf das gute Zusammenleben und die Reifung von Personen und Gesellschaft.»
Die (fasnachtstauglichen) Themen der Kirche sind freilich seit einer gefühlten Ewigkeit dieselben, wie Franz Zemp als erfahrener Schnitzelbank-Prediger feststellt: «Fehlende Priesterinnen, Verbot der Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete – oder wie sagt man genau? –, Empfängnisverhütung und und und…» Nebst diesen Dauerbrennern wolle urbi@orbi aber auch Aktuelles aus Gesellschaft und Politik auf die Schippe nehmen, ergänzt Zemp. «Vielleicht findet sich dann auch noch ein kirchliches Skandälchen, das ein Schmunzeln verdient.»

Dominik Thali

 

Die Fasnachtspäpste

Hier sind urbi@orbi zu erleben:

  • Fr, 17.02., 21.00, Steinhof-Fasnacht, Luzern
  • So, 19.02., 10.30, Fasnachtsgottesdienst Kirche St. Karl, Luzern
  • Do, 23.02., abends, Narrenlaufen Sursee, Beizenfasnacht
  • So 05.03., 10.00–13.00, Brunch von «Luzern plus» im Hotel Palace, Luzern