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Die Kultur stärken, den Glauben nahebringen – die Schweizer Kroaten feierten in Malters

Wenn die Kroatinnen und Kroaten zusammen feiern, ist die Kirche voll: am «Cromin» in Malters am Pfingstmontag (21. Mai 2018). | © 2018 Ivan Ivic
Wenn die Kroatinnen und Kroaten zusammen feiern, ist die Kirche voll: am «Cromin» in Malters am Pfingstmontag (21. Mai 2018). | © 2018 Ivan Ivic

Malters hat mit 97.56 m den höchsten katholischen Kirchturm der Schweiz – und die Kroaten veranstalten als einzige katholische Migrationsgemeinschaft mit «Cromin» einmal jährlich ein grosses nationales Fest. Wenn beides zusammenkommt, ist der Erfolg programmiert: Wie am Pfingstmontag, bei der 16. Ausgabe von «Cromin». Es fand bei besten Wetterbedingungen bereits zum zweiten Mal in der Luzerner Landgemeinde statt.

Um die 30’000 Kroatinnen und Kroaten leben heute in der Schweiz, sie kamen vor allem in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts zu uns und sind fast ausschliesslich katholischen Glaubens. Untereinander haben die Kroaten einen grossen Zusammenhalt: «Wir Kroaten sind sehr kultur- und familienbewusst, wir lieben die Geselligkeit und wir pflegen eine eher traditionelle Frömmigkeit», betont Pater Branko Radoš, OK-Präsident des «Cromin». Der Franziskaner ist seit eineinhalb Jahren Leiter der Kroaten-Mission Luzern und zusätzlich nationaler Koordinator der kroatischen Missionen in der Schweiz.

Kultur, Sprache und Frömmigkeit pflegen

«Viele Kroaten in der Schweiz, vor allem Secondos, sprechen heute besser Deutsch als Kroatisch und sehen ihre Heimat hier. Viele werden wohl auch nie mehr ständig nach Kroatien zurückkehren», betont Radoš: «Mit dem nationalen Cromin-Treffen möchten wir ihnen die kroatische Kultur, Sprache und unsere Frömmigkeit nahebringen und ihnen damit ein Stück alte Heimat vermitteln. Wichtig ist uns auch das gesellige Zusammensein. Und nicht zuletzt dienen diese Treffen dazu, auch unseren Jugendlichen den katholischen Glauben, wie wir ihn praktizieren, nahezubringen.»

Pater Branko Radoš hat bereits zum zweiten Mal in Malters das nationale «Cromin»-Treffen organisiert, das jeweils Ministranten und Jugendchöre und ihre Angehörigen aus allen 13 kroatischen Missionen der Schweiz zusammenbringt. Unterstützt wurde Branko Rados diesmal von einem OK mit neun Leuten, von über 100 Freiwilligen sowie tatkräftig auch durch Hans-Peter Bucher, dem Geschäftsführer der katholischen Migrantenseelsorge Luzern. Bucher war für die administrativen Belange des Anlasses, wie Bewilligungen, Verhandlungen, Infrastruktur usw. verantwortlich. Alle Beteiligten trugen dazu bei, dass der Anlass reibungslos über die Bühne ging. Finanziell unterstützt wurde der «Cromin» von «migratio», der Dienststelle der Schweizer Bischofskonferenz für Migrationsfragen sowie durch namhafte Beiträge der Migrantenseelsorge Luzern und freiwillige Spenden.

Insgesamt etwa 1300 bis 1500 Personen nahmen nach Schätzungen von Pater Branko Radoš an Pfingstmontag am «Cromin» teil, davon 800 Kinder und Jugendliche. Sie besuchten den stimmungsvollen Gottesdienst in der vollbesetzten Pfarrkirche von Malters, hörten den sieben Jugendchören in der Kirche zu und verpflegten sich anschliessend auf dem Sportplatz von Malters. Die Kinder und Jugendlichen konnten sich auf dem Sportplatz an einer Hobby-Olympiade sportlich gegen einander messen.

Halb Schweizer, halb Kroaten

Mit Begeisterung dabei waren auch die drei Geschwister Antonio, Valentina und Magdalena, zusammen mit ihren Eltern Zelimir und Daliborka. «Wir möchten unseren Kindern hier etwas von ihren Wurzeln und ihrer Kultur vermitteln», erzählt Vater Zelimir. Die Situation dieser Familie aus Au im Rheintal ist wohl typisch für viele kroatischen Auswanderer. Zelimir kam 1991 aus Kroatien in die Schweiz und heiratete etwas später Daliborka, die er schon aus der Schulzeit kannte. Heute arbeitet er als Servicetechniker für ein Aufzugsunternehmen. Seine Frau ist Vize-Sakristanin in der Pfarrei, sein Sohn Ministrant und beide Töchter singen im Jugendchor der kroatischen Mission von St. Gallen. Die Familie besucht sowohl gewöhnliche Pfarreigottesdienste wie die Kroatengottesdienste in Balgach oder St. Gallen.

«Unsere Heimat ist die Schweiz, wir fühlen uns hier daheim», meint Zelimir. Aber gleichzeitig ist er sich nicht sicher, ob er nicht doch mal nach der Pensionierung zurück nach Kroatien geht, wo die Familie ein Haus hat. Ein Hinderungsgrund könnten die Kinder und allfällige Enkelkinder sein, die wohl nie nach Kroatien gehen werden: «Wir sind halt doch halb Schweizer, halb Kroaten», umreisst der Familienvater seine Gefühlslage.

Ein wichtiger Teil der Schweizer Kirche

Diese starke Verwurzelung mit der Heimat und dem Glauben bei den Kroaten stellt auch Hans-Peter Bucher immer wieder fest. So etwa bieten die kroatischen Missionen einen eigenen Religionsunterricht am Samstag morgen an, neben dem staatlichen in der Schule. Oder kroatische Familien feiern zweimal Erstkommunion, einmal in der Ortspfarrei und einmal in der Mission. Beliebt sind auch die kroatischen Wallfahrten oder die Gebetsprogramme, ergänzt Pater Branko Radoš. Der engagierte Priester besucht in Luzern noch alle kroatischen Familien persönlich, um die Bande zur Kroatenmission zu stärken. Trotzdem sieht Pater Branko Radoš die kroatische Migrationsgemeinde nicht als Parallelwelt: «Mit meiner Arbeit möchte ich einerseits die Identität der Kroaten stärken. Aber die Kroatischen Missionen sind auch vollwertiges Mitglied der Schweizer Kirche, sie machen ihre Buntheit und Vielfalt aus.»

Text: Beat Baumgartner

Bilder Ivan Ivic

 

| © 2018 Ivan Ivic
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