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Die Kirche muss sich aufs Gerüst wagen

Ein Baugerüst mitten im Saal: Der Seelsorgerat nahm an seiner Impulstagung diese Bild zum Anlass, über die Kirchenentwicklung nachzudenken. | © 2018 Emil Barmet
Ein Baugerüst mitten im Saal: Der Seelsorgerat nahm an seiner Impulstagung diese Bild zum Anlass, über die Kirchenentwicklung nachzudenken. | © 2018 Emil Barmet

Die Kirche soll nahe bei den Menschen bleiben, auch wenn Personal und Geld knapp werden. Damit befasste sich der katholische Seelsorgerat des Kantons Luzern an seiner Impulstagung in Baldegg.

«Miteinander Kirche in der Nähe sein» hiess die Tagung vom vergangenen Samstag (20. Januar 2018), an der es um die lokale Kirchenentwicklung ging. Den Seelsorgerat hatte die «Baustelle Kirche» inspiriert; er stellte deshalb den hoffnungsvollen Satz aus Markus 1.15 in den Raum: «Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.» Im Kontext heisst es, dass Jesus Mitarbeitenden aus Fischerkreisen gesagt hat: Kommt mit, ich will euch zu Menschenfischern machen.

Das Baugerüst
Thomas Villiger vom Fachbereich Pastoral der Landeskirche stellte im spirituellen Einstieg seine zwei Leitsätze vor: 1. Mit Bauch, Herz und Kopf den Menschen nahe sein, sich gemeinsam vom Gleichen berühren lassen. 2. Sich von Gott leiten lassen, Licht, Wärme, Liebe spüren. Symbolisch für den Umbau, organisatorisch und spirituell, stand ein Baugerüst im Saal. Immer wieder konnte ein Element mehr darauf gestellt werden, um so Höheres erreichbar zu machen. Zu meditativer Musik wurde eine Kerze durchgereicht, in die alle ihre Wünsche und Sorgen in Bezug auf das persönliche Mitwirken in der Kirche eindrücken konnten. Diese Kerze wurde dann brennend ins Gerüst gestellt.

Bischofvikar Ruedi Heim erklärte das Prinzip «Zeit vor Raum». Der Entwicklungsprozess der Kirche sei wesentlicher als das gewünschte Ziel. Dafür brauche es Zeit, vor allem Vertrauen, Mut, Offenheit und Nähe. «Killer dieses bereits eingeschlagenen Weges sind Trägheit und Menschenfurcht.»

Lernweg in Freude und Hoffnung
Damian Kaeser-Casutt von der Abteilung für «Pastorale Entwicklung und Beratung» des Bistums St. Gallen, und Brigitta Helbling-Wildhaber, Mitarbeitende in der Seelsorgeeinheit Magdenau, zeigten auf, wie sie das Problem des Personalmangels positiv angingen und bearbeiten. Das Leitwort aus Hosea 10,12 ist Motivation für die St. Galler: «Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen; dann wird er kommen und euch mit Heil überschütten.» St. Gallen strebt ein kollegiales Führungsmodell an, bei dem die Hierarchien nicht ausgekostet oder missbraucht werden. Begegnung und Nähe auf Augenhöhe sind gefragt. Es sollen Kompetenzen und seelsorgerliche Aufgaben auch an fähige, motivierte Freiwillige übertragen werden. Es sollen auch neue pastorale Berufsbilder und Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden. Zu den noch verbleibenden Seelsorgenden will man Sorge tragen.

Nach dem Mittagessen aus der Klosterküche wurde rege diskutiert, welche Impulse man mitnehmen will. Was sieht man als grösste Herausforderung? Welche Unterstützung bräuchte man in den Pfarreien?

«Vertrauen ist Gehen»
Sr. Renata Geiger feierte musikalisch am Flügel mit, indem sie die Teilnehmenden einstimmte, immer wieder das Lied «Vertrauen ist ein Schritt. Vertrauen ist Schritt für Schritt. Vertrauen ist gehen, immer weiter gehen» spielte, das nach und nach zum Mitsingen animierte. Sr. Karin Zurbriggen trug die Legende von Francesco und Chiara mit dem Kirchenbau vor, in der die beiden nach vollendetem Bau ein Feuer entfachten, als Zeichen des Geistes der von diesem Werk ausgehen soll.

Zum Schluss durfte jede und jeder ein Licht bei der Kerze aus dem Gerüst nehmen und auf den mit farbigen Tüchern belegten Boden davor stellen mit einem stillen oder ausgesprochenen Wunsch in die Zukunft. «Möge die göttliche Kraft das Licht in den Pfarreien nicht ausgehen lassen», formulierte Thomas Villiger in seinem Schlussgebet. Voll Hoffnung und Zufriedenheit ging man dann auf den Heimweg

Emil Barmet, Hildisrieden

Weitere Bilder (klicken, um sie zu vergrössern):

Neue Präsidentin

Franzisca Ebener ist seit Jahresbeginn neue Präsidentin des kantonalen Seelsorgerats und stellte sich an der Impulstagung in Baldegg vor. Sie ist 40-jährig, lebt mit ihrem Mann und drei Kindern im Schulalter in Rothenburg, wo sie als Katechetin unterrichtet, und gehört seit zwei Jahren dem Seelsorgerat an. «Das Arbeiten über die Pfarreigrenze hinaus bereitet mir grosse Freude. Kraft und Motivation gibt mir auch das Alltägliche, einfache Dinge wie ein spontanes Gespräch oder ein Sonnenuntergang. Da treffe ich immer wieder auf Gottesspuren. Ich bin mir daher sicher, dass sich die Arbeit für die Kirche und in der Gemeinschaft lohnt», sagte sie.