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Die Kirche im dualen System: Auf das Zusammenspiel kommt es an

Die Noten richtig lesen, aufeinander hören: Was im Orchester wichtig ist, gilt auch im dualen System der Kirche. | © 2018 Roberto Conciatori
Die Noten richtig lesen, aufeinander hören: Was im Orchester wichtig ist, gilt auch im dualen System der Kirche. | © 2018 Roberto Conciatori

In der katholischen Schweiz verantworten Seelsorge und Behörden die Kirche gemeinsam. RKZ-Generalsekretär Daniel Kosch vergleicht die Doppelstruktur mit einem Orchester, das von einem Verein getragen wird: Wohlklang stellt sich nur ein, wenn die beiden Partner harmonieren.

Zur Gestaltung des kirchlichen Lebens tragen in den meisten Kantonen zwei Strukturen bei: Zum einen die vom Kirchenrecht vorgegebenen Strukturen vom Papst über den Bischof bis hin zur pastoralen Leitungsverantwortung des Pfarrers oder der Gemeindeleiterin. Diese Strukturen werden oft «pastoral» genannt. Als zweites Standbein wirken die staatskirchenrechtlichen Strukturen der Kirchgemeinden und der Landeskirchen. Solange diese Doppelstruktur als partnerschaftliches Miteinander gelebt wird, ist sie kaum spürbar. Bemerkbar macht sie sich erst, wenn es zu Spannungen kommt.

Wer wo den Ton angibt

Anhand eines Vergleichs ist es einfacher, einen lebensdienlichen Umgang mit dem dualen System in der einen Kirche zu erläutern, als mit Hilfe theoretischer Prinzipien. Gut geeignet ist das Bild des Orchesters, das rechtlich und finanziell von einem Orchesterverein getragen ist.
Selbstverständlich besteht das Hauptziel darin, gute Musik zu machen, indem die einzelnen Musikerinnen und Musiker ihre Fähigkeiten und den je eigenen Ton ihres Instruments zur Geltung bringen. Wichtig für das Gelingen sind eine gute Dirigentin oder ein guter Dirigent und ein guter Geist im gesamten Orchester sowie die Rücksichtnahme auf unterschiedliche Stärken und Schwächen, Vorlieben und Geschmäcker.

Der Orchesterverein hat dem gegenüber eine unterstützende und ermöglichende Funktion: Anstellung der musikalischen Leitung, Bereitstellung eines Budgets für Noten, Solistinnen und Solisten, Instrumente, Gestaltung des Programms usw. Obwohl das Präsidium des Orchestervereins im Idealfall auch musikalisch eine tragende Stütze des Orchesters ist, besteht kein Zweifel daran, wer im Konzert oder in der Probe den Takt angibt. Ebenso ist es selbstverständlich, dass die Dirigentin oder der Dirigent bei der Generalversammlung des Vereins oder in dessen Vorstandssitzung zwar ein Mitspracherecht hat, aber nicht den Takt vorgibt, sondern zum Beispiel den Entscheid der Versammlung über den Mitgliederbeitrag zu akzeptieren hat.

Selbst wenn das Miteinander gut funktioniert, kann es zu Spannungen kommen. Die Dirigentin möchte für ein Konzert zusätzliche Bläserinnen und Bläser engagieren – aber der Vereinsvorstand findet die Kosten zu hoch oder hält es für wichtiger, die Webseite und die Drucksachen des Orchesters neu zu gestalten. Oder eine Gruppe von Vereinsmitgliedern möchte eine Mozart-Symphonie aufführen, während die Dirigentin mit einem modernen Stück ein jüngeres Publikum ansprechen möchte.

«Con tutti» auf allen ebenen

Solche Differenzen können im Dialog bereinigt werden, aber auch zu tiefgreifenden Zerwürfnissen führen: Die Dirigentin kündigt oder wird entlassen, Vorstandsmitglieder treten zurück, jemand trägt den Konflikt in die Öffentlichkeit, Musikerinnen und Musiker verlassen das Orchester und leisten auch ihren finanziellen Beitrag nicht mehr, oder im Vorstand entsteht eine Spaltung zwischen einem Lager, das sich mit der musikalischen Leitung solidarisiert und einem anderen, das deren Kurs kritisiert.
Nicht nur innerhalb des Orchesters, wo die eigentliche Musik spielt, sondern auch zwischen Orchester und Orchesterverein, Dirigentin/Dirigent und Vereinsvorstand sowie innerhalb des Vereins gilt es folglich, das Motto «con tutti» zu beherzigen. Dabei sind sowohl das «Miteinander» als auch die unterschiedlichen Zuständigkeiten zu beachten. Auf die Musik und das Zusammenspiel kommt es an, auch in der Kirche.

Daniel Kosch

Daniel Kosch, 59. Dr. theol., ist seit 2001 General­sekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), der Dachorganisation der kantonalkirchlichen Organisationen in der Schweiz. Diese hat ihren Sitz in Zürich.