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Der Stiftsschatz in der Hofkirche Luzern: Hier ist vieles Gold, was glänzt

Kurator Urs-Beat Frei mit dem Burgunderkelch, der aus der Schlacht bei Murten (1476) stammt  und später dem
Stift geschenkt wurde. | © 2019 Dominik Thali
Kurator Urs-Beat Frei mit dem Burgunderkelch, der aus der Schlacht bei Murten (1476) stammt und später dem Stift geschenkt wurde. | © 2019 Dominik Thali

Monstranzen und Reliquiare, ein vergoldeter Messbucheinband und ein Kelch Karls des Kühnen: Die Schatzkammer des Chorherrenstifts in Luzern steckt voller Geschichte und Geschichten. Es sei wichtig, davon zu erzählen, sagt Kurator Urs-Beat Frei.

Wer den Raum neben dem Chor der Hofkirche betritt, wähnt sich in einem orientalischen Festsaal. Kurator Urs-Beat Frei, Kunsthistoriker und Theologe, fängt seine Führung mit Erläuterungen zum Luzerner Kunstmaler Alfred Schmidiger (1892–1977) an, der die Schatzkammer 1933 im Art-déco-Stil ausmalte. «Er wollte damit wohl so etwas wie eine himmlische Stimmung erzeugen, da ja christliche Kirchen seit dem Mittelalter auch als ein Abbild des Himmlischen Jerusalem auf Erden verstanden werden.»

Die heilige Geistin

Frei weiss viel über den Raum und die Schätze, die jener beherbergt. Und er erzählt in den Führungen, die es seit der Öffnung der Schatzkammer vor bald zwei Jahren gibt (siehe Kasten), gerne davon. Es sei wichtig, solche Kulturgüter der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sagt Frei: «Nur so entsteht eine Beziehung dazu.»

Wenn er in der Geschichte kramt und die Geschichten dazu erzählt, wird lebendig, was sonst bloss golden glänzt: Der Kelch, den die Eidgenossen in der Schlacht bei Murten 1476 von Burgunderherzog Karl dem Kühnen erbeuteten, das Prozessionskreuz von 1171 oder das 280 Jahre alte Hinterglasbild von der Surseer Malerin Anna Barbara Abesch (1706–1773), das den heiligen Geist als Frau zeigt. «Extrem selten», sagt Frei, das Bild sei «das wohl aussergewöhnlichste Objekt» des Stiftsschatzes. Urs-Beat Frei hatte diesen anlässlich des Jubiläums im Auftrag der Chorherren neu ausgestellt und ins richtige Licht gerückt. «Vorher glich der Raum mehr einer Rumpelkammer», stellt Frei fest, der den Schatz seither in einem kleinen Pensum betreut.

Frömmigkeitsgeschichte

Für ihn spannend ist, dass sich über das Ausstellungsgut sowohl theologische Inhalte erschliessen als auch das Glaubensverständnis früherer Zeiten und Traditionen erklären lassen. Wenn Frei erlebt, dass eine Besucherin oder ein Besucher den Gold- und Silberglanz als Ausdruck klerikalen Prunks bezeichnet, erklärt er diesen also mit dem früheren Frömmigkeitsverständnis: Wenn man Gold als «Material für das Göttliche» verstehe, komme für einen Kelch gar nichts anderes in Frage. «Die Ästhetik war immer wichtig. Spiritualität zeigt sich stets auch darin, womit man sich umgibt.»

Der Grossteil der Schatzobjekte stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert. In liturgischem Gebrauch sind nur noch wenige davon, etwa Kelche und Monstranzen an Hochfesten.

Dominik Thali

Besichtigung mit Führung – Ideal für Teamanlass

Die Schatzkammer des Chorherrenstifts in Luzern beherbergt einen der ältesten und bedeutendsten sakralen Schätze der Schweiz. Sie befindet sich in einer Nebensakristei der Hofkirche. Seit dem 1250-Jahre-Jubiläum des Stifts 2018 kann der Schatz in Führungen besichtigt werden. Es gibt monatlich eine öffentliche Führung, weitere Führungen sind nach Vereinbarung möglich. Die Schatzkammer ist ein spannendes Ziel beispielsweise für einen Teamanlass in der Pfarrei und Kirchgemeinde.
Bei den öffentlichen Führungen gibt es eine Kollekte, private Führungen kosten 220 Franken (bis 25 Personen).