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Der goldene Kirchmeier von Büron – Sepp Wyss ist seit 50 Jahren im Amt

Sepp Wyss vor der Büroner
Pfarrkirche St. Gallus. In der Hand hält er seinen ersten Jahres­abschluss von 1967. | © 2017 Dominik Thali
Sepp Wyss vor der Büroner Pfarrkirche St. Gallus. In der Hand hält er seinen ersten Jahres­abschluss von 1967. | © 2017 Dominik Thali

Als er anfing, genügte für die Rechnungsführung ein Kassenbuch. Seither kamen und gingen in seiner Gemeinde sieben Pfarreileiter und fünf Kirchenratspräsidenten. Kirchmeier Sepp Wyss aber ist immer noch im Amt. Diesen Sommer seit 50 Jahren.

So viel gäbs doch gar nicht zu erzählen, meint der 77-Jährige bescheiden.Und prichtet dann doch über die lange Zeit, schmunzelt ab und an und meint, nie hätte er gedacht, dass es so viele Jahre würden, doch er habe es eben «immer gut mit den Leuten gehabt», und darum sei er auch so lange geblieben. Goldene 50 Amtsjahre sind es diesen Sommer.

«Milchbüchlein-Rechnung»
Sepp Wyss, Kirchmeier von Büron, ist der amtsälteste im Kanton Luzern, und so bald wird es keiner noch länger machen. Als Sepp Wyss im September 1967 die Geschäfte übernahm, übergab ihm sein Vorgänger ein einfaches Kassenbuch, in das mit Tinte monatlich die Handvoll Buchungen eingetragen wurden. Ende Jahr war auf A3 die «Rechnung über die Verwaltung und des Vermögens der Pfarrkirche Büron» abzuliefern. Damaliger Umsatz: rund 62 000 Franken. «Eine Milchbüchlein-Rechnung», erinnert sich Sepp Wyss. Die doppelte Buchhaltung führte er erst ein Jahr später ein. Lange bezahlte er den Seelsorgern den Lohn in bar aus, was den Vorteil hatte, «dass man bei einem Kafi gleich dieses und jenes besprechen konnte».

Er sagte fast nie Nein
Kirchmeier Wyss hat für alle Anliegen ein offenes Ohr: «Das Wort Nein hört man von ihm fast nie. Fast immer gelingt es ihm, berechtigte Wünsche erfüllbar zu machen», sagt Hans-Christoph Heim. Er präsidierte die Kirchgemeinde Büron 1994 bis 2014 und war einer von mittlerweile fünf Präsidenten, die sich auf Sepp Wyss verlassen konnten. Pfarrer und Gemeindeleitungen sah der Kirchmeier inzwischen sieben kommen und gehen: Josef Graf, Emil Häusler, Armin Betschart, Robert Knüsel, Franz Allemann, Leo Elmiger und Margrith Küng. In all den Jahren war Kirchmeier Wyss auch Vertreter des Kirchenrats im Pfarreirat.

Bauen war stets ein wichtiges Thema in Sepp Wyss’ Amtszeit. Herausragend: der Bau der Rochuskapelle in Schlierbach 1973 und die Renovation der Pfarrkirche mit dem Anbau des Kirchensaals 1976 – eine Einzigartigkeit auf der Luzerner Kirchenlandschaft. «Das gab aber auch zu kämpfen», erinnert sich Sepp Wyss an das Hin-und-Her mit dem Denkmalschutz. Zum Beispiel, weil die Kanzel auf die andere Seite versetzt werden musste.

Seine Kirchmeierarbeit erledigte er neben dem grossen Pensum, das er inzwischen – nebst Familie mit vier Söhnen – ohnehin hatte: Aus dem Maschinenschlosser war 1973 ein Turnlehrer geworden («mein Traumberuf»), Oberturner, Vereinspräsident und Turnverbändler, später kamen zwölf Jahre im Kantonsrat hinzu.
2018 ist wieder ein kirchliches Wahljahr. Wer Sepp Wyss’ Nachfolge antreten könnte, ist offen. Für ihn steht allerdings fest: «Dann höre ich defintiv auf.» Es wird ein besonderer Abschied werden.

Dominik Thali