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Der Aufruf zur ökologischen Umkehr

Die Verantwortung für das «gemeinsame Haus Erde» müsse gemeinsame Sorge aller Menschen sein, fordert Papst Franziskus. | © fotolia.de
Die Verantwortung für das «gemeinsame Haus Erde» müsse gemeinsame Sorge aller Menschen sein, fordert Papst Franziskus. | © fotolia.de

Wie muss die Kirche handeln, damit das «gemeinsame Haus» Erde, wie es Papst Franziskus in seiner im Mai 2015 erlassenen Enzyklika «Laudato si’» nennt, auch morgen noch steht? Der Theologe und Sozialethiker Hans Münk fasst das päpstliche Lehrschreiben zusammen. – Ein Beitrag zum Zweijahresmotto der katholischen Kirche im Kanton Luzern, «Kirche – weitsichtig handeln».

Zu Recht gilt «Laudato si» als erste Umwelt-Enzyklika. Diese Zuordnung unterstreicht den theologischen und kirchlichen Rang des behandelten Themas: Es geht für Christen um einen «Bestandteil ihres Glaubens». Darüber hinaus setzt Papst Franziskus auf die universale Nachvollziehbarkeit seiner Botschaft, die sich ausdrücklich an alle Menschen richtet. Die Gedankenführung ist durchgehend geprägt von einer integralen Grundvorstellung: «Alles ist miteinander verbunden». Wir leben in einem «gemeinsamen Haus». Deshalb besteht LS auf einer umfassend ansetzenden Betrachtungsweise, das heisst auf dem Standpunkt einer «ganzheitlichen Ökologie».

Die herausragende Verantwortung des Menschen

«Laudato si» betont drei Fundamentalbeziehungen: zu Gott, zum Nächsten und zur Erde. Die biblisch-theologischen Grundlagen sind unter dem Vorzeichen einer Einheit von Schöpfungs- und Erlösungsordnung zu deuten. Sie weisen dem Menschen eine herausragende Verantwortung zu, die stets durchdrungen bleiben muss von jener spirituellen Grundhaltung, die den Sonnengesang des (vom Papst als Leitgestalt und Inspirationsquelle verehrten) heiligen Franziskus prägt. Für die weitere Argumentation wird zudem auf die alte kirchliche Lehre von der Bestimmung der Erdengüter für alle Bezug genommen. Gerade Menschheitsgüter (Atmosphäre, Klima, Ozeane, Regenwälder, sauberes Trinwasser u.a.) sind im Sinne eines globalen Gemeinwohls für alle bestimmt. Armut ist weltweit zu bekämpfen, Entwicklung zu fördern, künftige Generationen dürfen nicht schlechter gestellt werden. «Laudato si» knüpft hier an das im Rahmen der UNO entwickelte (und 2015 fortgeschriebene) Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development) an.

Die Wurzel des angeprangerten ökosozialen Niedergangs ortet «Laudato si» in einem «despotischen Anthropozentrismus», verbunden mit einer «Kultur des Relativismus». Der eng zusammenwirkende Gesamtkomplex von Wissenschaft, Technik und einer nach dem «Schema der Rendite» funktionierenden Wirtschaft hat zu folgenschweren Umweltschäden und destruktiven Gesellschaftsdynamiken (entfesselte Marktkräfte, überbordender Konsumismus, Wegwerfkultur u.a.) geführt. In einer zivilisationskritischen Zusammenfassung spricht der Papst vom «technokratischen» bzw. «techno-ökonomischen Paradigma», das sich nur an einem Nutzenkalkül orientiere und den Eigenwert eines jeden Geschöpfes ignoriere. Diese zerstörerische Herrschaft wird als «ökologische Schuld» vor allem den reichen Ländern des «Nordens» angelastet und theologisch als Sünde gebrandmarkt.

Bescheidener Leben

Demgegenüber ruft «Laudato si» zu einer umfassenden «ökologischen Umkehr» auf. Dazu werden orientierende Leitlinien formuliert: Wiederherstellung des Primats der Politik über die Wirtschaft, dialogisch zu erarbeitende politische Rahmenbedingungen, Zusammenwirken von Religionen und Wissenschaften, Aufforderung zu einem bescheideneren Lebensstil (primär in Industrieländern).

Das 6. und letzte Kapitel befasst sich mit Themen einer «ökologischen Erziehung» im Hinblick auf ein «Bündnis zwischen der Menschheit und der Umwelt», mit spirituellen Aspekten sowie mit Glaubensthemen und der Feiertagsruhe. «Laudato si» schliesst mit einem «Gebet für unsere Erde» (nicht nur an Christen gerichtet) und einem «Christlichen Gebet mit der Schöpfung».

Hans J. Münk

Der Autor ist emeritierter Professor für Theologische Ethik und emeritierter Leiter des Instituts für Sozialethik der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. Hans J. Münk (71) ist Priester und lebt in Luzern.

Aus dem «Luzerner Kirchenschiff» vom April 2016. Zur ganzen Ausgabe und früheren Nummern: hier…