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Corona und Kirche: neue Wege finden

«Die Krise bietet die Chance, Gewohntes zu überdenken, zu bereinigen und neu aufzustellen»: RKZ-Präsidentin Renata Asal-Steger über die Folgen der Pandemie auf die Kirche. | © 2020 Dominik Thali
«Die Krise bietet die Chance, Gewohntes zu überdenken, zu bereinigen und neu aufzustellen»: RKZ-Präsidentin Renata Asal-Steger über die Folgen der Pandemie auf die Kirche. | © 2020 Dominik Thali

Ein Virus stellt gewohnte Abläufe auf den Kopf. Neue Formen der Zusammenarbeit sind gefragt. Sie lenken den Blick auch auf den Wert des Gewohnten. Dieses gelte es weiterzuentwickeln, sagt Renata Asal-Steger, Präsidentin der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ) sowie des Luzerner Synodalrats.

Dieser Beitrag ist zuerst in der Schweizerischen Kirchenzeitung Nr. 18/2021 erschienen. Diese Ausgabe befasst sich mit dem Thema «Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kirche und Theologie». Wir veröffentlichen den Beitrag hier mit Genehmigung der Redaktion.

Im Frühjahr 2020 versetzte das Coronavirus die ganze Welt in den Ausnahmezustand. Gewohntes wurde durcheinandergewirbelt, so auch das kirchliche Leben. Die neue Wirklichkeit forderte die staatskirchenrechtlichen Verantwortlichen auf kirchgemeindlicher, landeskirchlicher und nationaler Ebene stark heraus. Dass das kirchliche Leben in dieser beunruhigenden Situation nicht stillstehen darf, war stets klar. Aber wie sollte es weitergehen?

Digitale Sitzungen

Prioritär galt, die behördlichen Massnahmen zeitnah umzusetzen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die Risikogruppen zu schützen. Hier waren vor allem die Kirchgemeinden in enger Zusammenarbeit mit den Seelsorgenden vor Ort gefordert. Neben dieser organisatorischen Herausforderung mussten gewohnte Strukturen und Abläufe teilweise von Grund auf überdacht werden. Es galt zu entscheiden, was  keinen Aufschub erleiden darf. Gleichzeitig dominierte eine generelle Planungsunsicherheit. Behördliche Gremien wie Kirchenrat und Synodalrat, aber auch das Präsidium der RKZ und die RKZ-Plenarversammlung mussten neue Wege der Beratung und Entscheidung finden. Dies war dank den neuen digitalen Technologien schnell möglich. Zoom-Sitzungen boomten und die Digitalisierung erlebte einen Aufschwung.

Angebote anders weiterführen

Die massive Einschränkung der Bewegungsfreiheit während des Lockdowns hatte eine lange Durststrecke hinsichtlich seelsorgerischer und sozialer Kontakte zur Folge. Neue Formen des gemeinschaftlichen Lebens und des diakonischen Auftrags waren gefragt. Gefordert waren neben den Verantwortlichen auf Kirchgemeinde- und Pfarreiebene die Mitarbeitenden von landeskirchlichen Fachstellen. Bisherige Unterstützungs- und Beratungsangebote für Pfarreien und Kirchgemeinden konnten nicht wie gewohnt weitergeführt werden. Gleichzeitig war klar, wie wichtig gerade jetzt Präsenz und Unterstützung sind. Die besondere Situation verlangte von den Mitarbeitenden Improvisationstalent und Kreativität. Gerne verweise ich in diesem Zusammenhang exemplarisch auf die Webseite der Luzerner Landeskirche. Hier finden sich unter «Kirche und Corona» hilfreiche und inspirierende Impulse und Links. Drei Beispiele will ich erwähnen:

Die letzten Monate waren weltweit eine der grössten Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Da war und ist noch immer viel Leidvolles und Bedrohliches. Gleichzeitig kann dieser Zeit auch Gutes und Stärkendes abgewonnen werden. Der Wert von alltäglicher Zusammenarbeit im Team und von Sitzungen vor Ort wurde auf neue Art bewusst. Zudem haben wir gelernt, was dank dem Einsatz von neuen Technologien und modernen Medien möglich ist, und dass Homeoffice auch Vorteile hat. Die Krise bot überdies die Chance, Gewohntes zu überdenken, zu bereinigen und neu aufzustellen. Innovation war gefragt. Zugleich wurde uns vor Augen geführt, wie verletzlich wir sind und wie wichtig es ist, kranken und sterbenden Menschen nahe zu sein. Daraus ergibt sich über die Pandemie hinaus eine Priorität für die Förderung seelsorgerischer Kompetenz, auch im Einsatz von Personal und Geld. Corona hat uns zudem gezeigt, dass es auch mit weniger geht. Mit Blick auf die immer drängendere Sorge um das Klima gilt es, auch daraus zu lernen und auch als Kirche einen bescheideneren Lebensstil zu entwickeln.

Renata Asal-Steger