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Christine Bisigs Mandalas: die Mitte im Leben suchen

Lässt sich durch die Krankheit nicht behindern: Christine Bisig, auf dem Tisch ein von ihr gelegtes  Mandala. | © 2017 Felix Zobrist
Lässt sich durch die Krankheit nicht behindern: Christine Bisig, auf dem Tisch ein von ihr gelegtes Mandala. | © 2017 Felix Zobrist

Die kreative Arbeit mit den Händen zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der ehemaligen Handarbeitslehrerin Christine Bisig. Seitdem sie ihren Beruf wegen der Parkinson-Krankheit aufgeben musste, widmet sie sich den Mandalas. Ein Angebot auch für den Religionsunterricht.

Die Zweizimmerwohnung in der Alterssiedlung Senevita in Ebikon gleicht einem Werkraum. Auf dem Sofa liegen unter der Sammlung von unzähligen Elefanten selbst gefertigte Puppen und zwei fast fertige Wollschals. Am Boden steht ein mit Wolle gefüllter Korb. Neben mehreren angefangenen Handarbeiten zieht auf dem Tisch ein Mandala den Blick auf sich.

Seit zwei Jahren lebt Christine Bisig (1944) in dieser praktischen Wohnung. Der Umzug war ihr nicht leicht gefallen. 35 Jahre hatte sie in Willisau gewohnt, bevor sie auf der Suche nach einem Neuanfang vor 13 Jahren nach Luzern gezogen war. Dort fühlte sie sich in der wunderschönen Wohnung mit den lieben Nachbarn sehr wohl. Als ihr wegen Eigenbedarf die Wohnung gekündigt wurde, verzweifelte sie zuerst fast. Freunde rieten ihr zum Umzug an den heutigen Wohnort. Zwar fühlt sie sich in der Alterssiedlung noch nicht richtig daheim. Und doch ist sie froh, dass sie den Schritt gewagt hat. Sie schätzt die Lage nahe beim Bahnhof und die verschiedenen Dienstleistungen. Zudem wird die Wohnung regelmässig geputzt, und sie kann im Restaurant des Hauses essen.


Handarbeit als Leidenschaft

Was immer Christine Bisig anpackt, macht sie mit Herzblut. Mehrere Jahre war sie früher in Willisau als Scharleiterin für den Blauring verantwortlich gewesen und meint rückblickend. «Ich kam fast nicht vom Blauring weg, weil er mir so am Herzen lag.» Dasselbe galt für ihre Berufsarbeit. 20 Jahre (1971-91) arbeitete Christine Bisig in Willisau als Handarbeitslehrerin, danach weitere 12 Jahre im Kinderheim Mariazell in Sursee. «Handarbeit war meine Leidenschaft. Ich bin überzeugt, wie wichtig das Fach für die Kinder ist. Diese können spüren, was sie mit ihren eigenen Händen geschaffen haben», hält sie fest. Es war ihr wichtig, lustige, aktuelle Gegenstände auszuwählen, die den Kindern gefielen. Deshalb kam es ihr einer Tragödie gleich, dass die Verantwortlichen am Fach Handarbeit zu sägen begannen, als sich dieses auf einem Höhepunkt befand. Sie erzählt von einer ehemaligen, in den Leistungsfächern schwachen Schülerin, die ihr kürzlich sagte: «Die Stunden in der Handarbeit waren während meiner Schulzeit das Schönste.»


Das schaffe ich

Allerdings war es Christine Bisig nicht vergönnt, ihren geliebten Beruf bis zur Pensionierung auszuüben. Am Anfang nahm sie ihre Krankheit gar nicht wahr. Die Schülerinnen und Schüler jedoch bemerkten ihr Zittern und fragten sie, warum sie so nervös sei. Nach den medizinischen Abklärungen wurde sie 1999 unsanft mit der Diagnose «Parkinson» konfrontiert. Zuerst fiel sie in ein Loch, fing sich jedoch schnell wieder und sagte sich: «Das schaffe ich.» Vier Jahre nach dem Ausbruch der Krankheit musste sie ihren Beruf aufgeben. Doch wollte sie nicht zuhause vereinsamen, sondern ging weiterhin hinaus und unter die Leute. Neben viel Wohlwollen und Anerkennung gab es auch Missverständnisse und gut gemeinte Ratschläge wie: «Muesch halt zur Mutter Maria beten oder fünf Liter Wasser täglich trinken.»


Spielerisch den Alltag vergessen

Nachdem sie nicht mehr arbeiten konnte, fand Christine Bisig in den Mandalas eine neue Beschäftigung. Für eine befreundete Familie bastelte sie ein erstes «Adventsmandala». Auf einem genähten Tuch legt sie einen Stern als Ausgangspunkt. Für jeden Tag im Advent kommen ein Fünferset von Glasperlen, Sternen, Sonnen, Schneekristallen oder anderen Gegenstände dazu, die symmetrisch angelegt werden. Das Geschenk bereitete Freude und wurde zum Ausgangspunkt ihrer neuen Berufung. Sie erkannte rasch, dass sich das Legen von Mandalas neben dem Advent auch für viele andere Gelegenheiten eignet: gemeinschaftsbildend oder zur Konfliktbewältigung in der Schule, als Ritual vor dem Zubettgehen, an Geburtstagen oder Familienfesten. Sie erklärt: «Mandala-Spiele vermitteln in unserem hektischen Alltag entspannende Momente, die uns Freude und Gelassenheit spüren lassen und uns helfen, zu unserer inneren Mitte zu finden. Mandalas legen verhilft uns zu Atempausen, lässt uns spielerisch Erlebtes verarbeiten und schenkt uns durch seine spürbare Gleichmässigkeit innere Harmonie.»


Eigene Mandala-Kreation

Mit viel Fantasie kreierte Christine Bisig ihr persönliches Mandala-Set. In Bastelgeschäften sammelte sie jahrelang allerlei Decomaterial. Fünf Stück davon verpackt sie je nach Wunsch individuell abgestimmt in je 25 kleine Schächtelchen und näht für jedes Spiel ein passendes Tuch. Alles versorgt in einer Schachtel, hat sie in den letzten Jahren unzählige Mandalas zum Legen zusammengestellt und mit einer Spielanleitung zum Selbstkostenpreis verkauft. Jahrelang hat sie ihre Mandalas auch an einem Stand bei Lehrerfortbildungen an die Frau oder den Mann gebracht. Oder Interessierte kamen bei ihr vorbei und suchten die ihnen zusagenden Gegenstände persönlich zusammen.


Nie aufgeben

Dank ihrem Optimismus und einem guten Freundeskreise hat Christine Bisig auch bei fortschreitender Krankheit nie aufgegeben und findet immer wieder Neues. Und doch bestimmt die Krankheit mehr und mehr ihren Alltag. Sie schläft schlecht, und ihr Körper gerät immer mehr in Schieflage. Hilfreich sind für sie verschiedene Therapien wie Physio, Wassergymnastik, eine spezielle Hypotherapie und das Altersturnen, die ihre Vormittage weitgehend ausfüllen. Die Nachmittage verbringt sie vor allem mit Handarbeiten. Sie strickt zum Beispiel mit der Maschine aus Restenwolle Schärpen für die christliche Ostmission. «Jährlich entstehen so gegen 200 Stück. Ich werde wohl bald die tausendste Schärpe anpacken», lacht sie. Sie freut sich über Besuche und würde aus ihrem reichen Fundus im Keller auch liebend gerne weitere Mandala-Spiele zusammenstellen. Die kreative Tätigkeit hilft ihr, alles andere zu vergessen und mit Herzblut ganz bei sich zu sein.

Monika Fischer

Bezug

Christine Bisig füllt Mandala-Spielschachteln in unterschiedlicher Grösse und stellt solche auch auf Wunsch zusammen.
Auskunft und Bestellung:

  • Christine Bisig, Rischstrasse 13, 6030 Ebikon
  • 041 970 29 64, christine.bisig@gmx.ch