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Chinesen-Mission Ende März aufgelöst

Rita Chen führt in der Kapelle der Bethlehem-Missionare Immensee ein Brautpaar durch den Ritus der Eheschliessung. | © Laurenz Schelbert SMB
Rita Chen führt in der Kapelle der Bethlehem-Missionare Immensee ein Brautpaar durch den Ritus der Eheschliessung. | © Laurenz Schelbert SMB

Mit der Schliessung der national geführten Chinesen-Mission löst sich eine 2009 gegründete Mission auf, die von Rita Chen Baumann geprägt wurde. Diese ging Ende März 2020 in Pension und führt ihre Arbeit auf freiwilliger Basis in reduzierter Form weiter. Von Luzern aus hat sie Chinesen in der ganzen Schweiz seelsorgerisch betreut.

Die Chinesen-Mission wurde 2009 im Auftrag von «migratio», der Fachstelle für Ausländerseelsorge der Schweizer Bischofskonferenz ins Leben gerufen. In der Folge erteilte Weihbischof Martin Gächter am 1. September 2009 Rita Chen Baumann den Auftrag, diese Seelsorgestelle für Chinesischsprachige in der Schweiz zu leiten. Organisatorisch wurde die Mission von der Migrantenseelsorge der katholischen Landeskirche des Kantons Luzern betreut.

Rita Chen Baumann ist in Taiwan geboren. Nach dem Theologiestudium in ihrer Heimat unterrichtete sie 25 Jahre im «Taiwan Pastoral Institut» Religionspädagogik und Erwachsenenbildung. Um sich weiterzubilden, zog sie vor 19 Jahren in die Schweiz, wo sie Deutsch lernte. Danach studierte sie Kommunikationstheologie und Religionspädagogik in Innsbruck. Nach der Rückkehr in die Schweiz lernte Rita Chen ihren Mann, Peter Baumann, kennen und fing an, zuerst freiwillig, seelsorgerische Arbeit bei Chinesischen Migranten zu leisten.

Spirituelle Heimat geben

Monika Freund Schoch, Seelsorgerätin des Bistums St. Gallen, hat im Thurgauer Pfarreiblatt «forumKirche» in dessen Ausgabe 6/2020 über Rita Chen Baumann geschrieben. Das «Kirchenschiff» bedankt sich für die Erlaubnis zur Weitergabe.

Viele der in der Schweiz wohnhaften Chinesen (rund 15‘000) sind noch von den Folgen der Kulturrevolution (1965–1976), wo alle Religionen verboten waren, gezeichnet. Sie wurden atheistisch im kommunistischen Regime erzogen, was häufig eine offene Kommunikation verhindert und Vertrauensmangel in Beziehungen verursacht. «Taiwan ist im Gegenteil zu China ein demokratisches Land mit Religionsfreiheit», sagt Rita Chen Baumann. Gefragt, ob die Christen in Taiwan als Minderheit (1%) eine gewisse Unterdrückung erleben, verneint sie. Die meisten der Menschen, die sie begleitet, kommen aus China und Taiwan, aber auch aus Singapur, Malaysia, Vietnam, Hongkong, Tibet und der Mongolei. Sie repräsentieren alle Altersgruppen, Berufsfelder und Religionen. Es gibt auch Atheisten und Pantheisten darunter. Deswegen sei es nicht einfach, den Menschen mit verschiedenen Hintergründen hier in der Schweiz eine spirituelle Heimat zu geben. Sie versucht sich jedoch den individuellen Bedürfnissen anzupassen.

An einer Hausmesse im kleinen Kreis in Horn TG. | © Laurenz Schelbert SMB

Eine mobile Kirche

Die erfahrene Seelsorgerin verbringt sehr viel Zeit unterwegs: «Meine Evangelisi-erungsarbeit unter den Chinesen in der Schweiz ist der Arbeit der frühen Missionare sehr ähnlich: Die Kirche ist nicht an einem Ort fixiert, sondern sehr mobil zwischen den Menschen.» Die Leute wohnen weit voneinander entfernt in verschiedenen Kantonen. Meistens treffen sich nur kleine Gruppen in Privatwohnungen. «Das ist eine Art Urchristentum in moderner Zeit», sagt die Theologin. Bei grösseren Gruppen und Anlässen suchen sie eine Kirche auf. In St. Gallen stellt ihnen die Pfarrei St. Fiden ihre Kirche zur Verfügung. Auch die Kapelle der Missionsgesellschaft Bethlehem in Immensee ist ein fester Standort der Chinesen-Mission. Rita Chen Baumann organisiert Wortgottesdienste, Bibelrunden, Katechumenenkurse und Vieles mehr. Für Eucharistiefeiern werden Missionare oder chinesische Gastpriester beigezogen.

Es geht um Nächstenliebe

Sie kümmert sich auch um Nichtchristen und freut sich, wenn sie eine Sehnsucht nach Gott entwickeln: aber sie ist überzeugt, dass jeder und jede für sich selbst eine freie Entscheidung treffen muss: «Man soll und kann Menschen nicht zum Glauben zwingen.» Bei ihr steht nicht die Bekehrung, sondern Nächstenliebe, das gute Beispiel und christliche Werteverbreitung im Vordergrund. Die Seelsorgerin freut sich jedoch immer, wenn sie ein Glaubensfunkeln sieht.

Seit vielen Jahren ist Rita Chen Baumann zusätzlich von der Missionsgesellschaft Bethlehem in Immensee als Kursleiterin («Gemeindeaufbau in Pfarreien») für die chinesischsprachigen Seelsorger angestellt. Diese Fortbildung wird in der Schweiz, aber auch in Singapur, Taiwan und sogar in China, durchgeführt. Aus der Überzeugung, Gutes zu tun, wird sie weiterhin pastoral tätig sein. «Migratio» und Bischofskonferenz sind derweil am Erarbeiten einer Lösung, wie die Betreuung der chinesischen Christen auch weiterhin gewährleistet werden kann.