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Caritas-Sonntag: Die Scham, aufs Sozialamt zu gehen

Armut isoliert: Martina Merida (Name geändert) hat erfahren, was es heisst, geschnitten zu werden. ¢ © 2018 Zoe Tempest
Armut isoliert: Martina Merida (Name geändert) hat erfahren, was es heisst, geschnitten zu werden. ¢ © 2018 Zoe Tempest

Wer Sozialhilfe bezieht in der Schweiz, wird oft geschnitten; wer arm ist, mag nicht darüber sprechen. Caritas hilft Menschen in Not, ein Leben in Würde zu führen. Am letzten Januar- Wochenende kommt ihr deshalb die Kollekte aus den Gottesdiensten zugute.

Wie es ist, als alleinerziehende Mutter auf dem Land in Armut zu leben und Sozialhilfe beziehen zu müssen, das hat Martina Merida (Name geändert) schmerzlich erlebt. Sie weiss, was es heisst, sich der eigenen Armut schämen zu müssen. Sie kennt soziale Isolation, schlaflose Nächte aus Sorge, aber auch den Start in eine hoffnungsvolle Zukunft. Martina Merida hatte nie mit ihren vier Kindern allein sein wollen. Doch die Ehe ging auseinander. Im Dorf gab es Gerede; erst recht, als Martina Merida Sozialhilfe beantragen musste. Sie wurde geschnitten. Diese Missachtung tat weh.

Eine Katastrophe
Der Schritt zum Sozialamt war einschneidend. «Der Entscheid, dorthin zu gehen, ist schwierig und braucht Überwindung. Es war eine tränenreiche, beschämende Zeit», berichtet Martina Merida. Verwandte hatten sie und ihre Kinder schon bei der Miete unterstützt, aber erst der fast leere Kühlschrank und der drohende Verlust der Wohnung brachten sie dazu, ihr Recht auf Sozialhilfe anzumelden. «Aber die Scham, die ist für jemanden, der Selbstwert und ein wenig Stolz hat, eine Katastrophe», fasst Martina Merida ihre Erfahrungen zusammen.
Sie war freilich schon immer eine Kämpferin, und die Sorge um ihre Kinder motiviert sie, nicht aufzugeben. Mit kleineren Teilzeit-Anstellungen kann sie nun Berufserfahrungen nachweisen. Sie weiss, dass sie etwas leisten kann, und der Austausch mit Kollegen und Kolleginnen hat ihr gutgetan. Martina Merinda plant nun eine Ausbildung als Migrationsfachperson.

Die Caritas hilft aus der Isolation
Auf ihrem Weg ist Martina Merida von der Sozial- und Schuldenberatung der Caritas unterstützt worden. Sie fand dort Verständnis und Unterstützung für ihre Situation und wurde an weitere Organisationen vermittelt. Mit der KulturLegi, unterstützenden Bildungsangeboten oder den Caritas-Märkten in Baar, Luzern und Sursee stehen armutsbetroffenen Menschen wirksame Hilfen zur Seite, die sie im Alltag entlasten und aus der Isolation und Stigmatisierung herausholen. Caritas Luzern unterstützt die Betroffenen, damit sie auf Selbstverständliches wie ein Abonnement der Lokalzeitung, Freizeitaktivitäten oder Weiterbildungskurse nicht verzichten müssen. Martina Merida profitiert wie viele andere armutsbetroffene Menschen von den Hilfestellungen der Caritas.

pd / Ariel Leuenberger

Caritas hilft armen Menschen

Der Caritas-Sonntag findet immer Ende Januar statt. An diesem Wochenende wird die Kollekte jeweils für die regionale Caritas-Organisation erhoben. «In der Schweiz gibt es mehr arme Familien als man denkt», schreibt Caritas Luzern in einer Medienmitteilung. «Aus Furcht vor Stigmatisierung halten sie sich jedoch meistens bedeckt.» Die Spenden des Caritas-Wochenendes am 26./27. Januar kommen diesen Menschen zugute.