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Caritas fordert Unterstützungsprogramm für Armutsbetroffene

Wenn der Bancomat nichts mehr ausgibt: Caritas Luzern fordert den Kantonsrat auf, in der Corona-Krise diejenigen Menschen nicht zu vergessen, die unter dem Existenzmininum leben. | © 2012 Gregor Gander
Wenn der Bancomat nichts mehr ausgibt: Caritas Luzern fordert den Kantonsrat auf, in der Corona-Krise diejenigen Menschen nicht zu vergessen, die unter dem Existenzmininum leben. | © 2012 Gregor Gander

Das Hilfswerk Caritas Luzern ruft den Kantonsrat auf, die armutsbetroffenen und –gefährdeten Menschen nicht zu vergessen und in der nächsten Session (18. Mai 2020) ein Unterstützungsprogramm für sie auszuarbeiten. Das Unterstützungspaket des Bundesrates angesichts der Corona-Krise weist gravierende Lücken auf. Es erreicht die Menschen mit den tiefsten Einkommen und Armutsbetroffene nur ungenügend, heisst es in einer Medienmitteilung.

Im Wortlaut:

Die Corona-Krise bedeutet für alle Armutsbetroffenen und alle Menschen, die in der Schweiz nur knapp über der Armutsgrenze leben, eine dramatische Verschlechterung der Lebenssituation. Wer vorher noch knapp auf eigenen Beinen stand, droht nun in die Armut abzurutschen. Die Marginalisierung am unteren Rand der Gesellschaft droht sich auszuweiten – bis in den Mittelstand hinein. Davon zeugen die vielen Gesuche um Hilfe, die in den letzten Wochen bei der Caritas Luzern eingegangen sind.

Seit Ende März 2020 sind bei der Caritas Luzern 85 Gesuche eingegangen, davon alleine 47 Gesuche in den letzten zwei Wochen. Für viele Menschen, die bereits vor der Corona-Krise auf jeden Rappen angewiesen waren, ist die Lage nun noch prekärer geworden. Betroffen sind Einzelpersonen genauso wie Mehrpersonenhaushalte, darunter viele Alleinerziehende. Egal ob durch einen Einkommenswegfall aufgrund von Kurzarbeit, einer Kündigung oder Auftragsabnahmen bei Selbstständigerwerbenden – den Menschen, die unter oder am Existenzminimum leben, fehlt Ende Monat das nötige Geld, um Miete, Krankenkassenprämien oder Telefonrechnungen zu bezahlen. Sie haben kein Geld, um diese Kosten eigenständig zu bewältigen und sind dringend auf Hilfe angewiesen. Die Caritas Luzern kann ihnen zur Überbrückung der Notsituation zwar kurzfristig helfen, längerfristig sind jedoch andere Massnahmen nötig.

Bundesprogramm hat gravierende Lücken

Das Unterstützungspaket des Bundesrates angesichts der Corona-Krise ist zu begrüssen. Es weist aber gravierende Lücken auf. Es erreicht die Menschen mit den tiefsten Einkommen und Armutsbetroffene nur ungenügend. Und genau diese Menschen brauchen Unterstützung, weil sie nicht auf Ersparnisse zurückgreifen können. Deshalb braucht es jetzt dringend Lösungen für die mittel- und längerfristige Abfederung der Konsequenzen, wie z. B. die Verdoppelung der Prämienverbilligung, die Erhöhung der Kurzarbeitsentschädigung für tiefe Einkommen auf 100 Prozent, unbürokratische Direktzahlungen für Direktbetroffene oder die Aufhebung der Rückzahlungspflicht der Sozialhilfe.

Die kommende Session vom 18. Mai 2020 bietet dem Luzerner Kantonsparlament die Gelegenheit, diese Lücken zu schliessen und die notwendigen Massnahmen zu ergreifen, damit auch die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft in genügendem Masse Unterstützung erfahren. Die Caritas Luzern ruft das Kantonsparlament dazu auf, ein Unterstützungsprogramm auszuarbeiten für die rund 33’000 Menschen, die im Kanton Luzern von Armut betroffen, und die rund 30’000 Menschen, die von Armut gefährdet sind. Sie sind dringend auf Direktzahlungen und weitere gezielte Unterstützungsmassnahmen angewiesen.

Partnerin der Landeskirche

Die Caritas Luzern ist eine christlich orientierte Non-Profit-Organisation, die fachkompetent soziale Not wahrnimmt und lindert. Sie engagiert sich gegen Armut und fördert soziale und berufliche Integration. Gegründet am 30. März 1982 von der katholischen Landeskirche als gemeinnütziger Verein, ist sie seither Teil der Diakonie dieser Kirche sowie Mitglied des Verbandes Caritas Schweiz. Die Caritas Luzern ist konfessionell und politisch neutral.