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Bistumsjugendtreffen in Luzern: Das Erlebnis des Lebens entdecken

Das Projektteam für das Bistumsjugendtreffen in Luzern (von links): Edson Fernandes, Sandra Dietschi, Petra Zeier und Viktor Diethelm. | © 2015 Dominik Thali
Das Projektteam für das Bistumsjugendtreffen in Luzern (von links): Edson Fernandes, Sandra Dietschi, Petra Zeier und Viktor Diethelm. | © 2015 Dominik Thali

«Entdecken – abchecken – suchend bleiben» lautet das Motto des Bistumsjugendtreffens. Was haben Sie in der Kirche entdeckt?
Edson Fernandes:
Ich bin in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen, wir gingen und gehen regelmässig z Chele. Zurzeit leite ich eine Jugendgruppe. Ich bin in und mit der Kirche aufgewachsen, für mich ist ein Sonntag ohne Gottesdienst kein Sonntag. Ich glaube an Gott, ich bete auch, und das das hilft mir im Alltag.

Damit sind Sie kein typischer 23-Jähriger.
Fernandes:
Wahrscheinlich nicht. Aber ich mache das gerne. Portugal ist eine sehr katholische Nation, die Muttergottes von Fatima ist sozusagen unsere Mutter. Ich besuche diesen Ort jedes Jahr. In Fragen von Glaube und Kirche denken meine portugiesischen Kolleginnen und Kollegen jedoch ganz unterschiedlich.

Bistumsjugendtreffen – das klingt allerdings nach einem frommen Anlass.
Viktor Diethelm:
Spannenderweise ist es das genau dies nicht. Diesem Bild – oder aber Vorurteil – entsprechen eher die Weltjugendtags- oder Taizé-Treffen. Das Jugendtreffen im Bistum Basel ist eine Sache der diözesanen Jugendkommission und ist deshalb in der offenen Jugendarbeit und in den Verbänden verankert. Das Bistumsjugendtreffen spricht Firmgruppen an, Oberstufenschüler, Minis, Jugendliche aus den Missionen, aus Jungwacht, Blauring oder Pfadi.
Petra Zeier: Es ist ein erlebnisorientierter Anlass Wir möchten, dass die Teilnehmenden neue und spannende Gesichtspunkte von Luzern entdecken, die in einer Weise mit Kirche zu tun haben. Und natürlich ist der Tag einfach auch ein Treff von vielen Jugendlichen.

Jugendliche und Kirche – geht das zusammen?
Fernandes:
Bei uns Portugiesen machen viele Jugendliche in der Kirche mit. Bei jenen aus der Schweiz ist das nicht mehr der Fall.
Diethelm: Fragt sich, was man unter Kirche versteht. Es geht um die Form davon. Gottesdienste interessieren Jugendliche nur am Rand. Aber sie engagieren sich nach wie vor stark im Pfarreialltag und in den Verbänden.
Zeier: Und in der Jugendarbeit überhaupt. Sinnfragen sind für Jugendliche sehr wichtig, aber sie befassen sich individueller damit, ohne sich nur von Vorgaben der Kirche leiten zu lassen. Es braucht heute andere, auf Erfahrung und Erlebnis gründende Zugänge zur Kirche, zum Beispiel über einen Chor.

Interessieren sich die Jugendlichen auch für Dauerbrenner wie die Sexualmoral oder Stellung der Frau in der Kirche?
Diethelm:
In Fragen der Sexualität hat die Kirche bei fast allen Jugendlichen keinerlei Autorität mehr. Das soziale Engagement der Kirche wird hingegen sehr wertgeschätzt. Die vielen Aussagen der Jugendlichen dazu am Bistumsjugendtreffen 2014 haben mich erstaunt.

Welches ist das Ziel des Bistumsjugendtreffens?
Diethelm:
Vorgegeben ist nur, dass der Bischof einmal im Jahr mit Jugendlichen einen gemeinsamen Tag erleben will. Das Programm können die jeweiligen Organisatoren selbst bestimmen.
Zeier: Mir gefällt das diesjährige Konzept. Der Church Trail fordert die Jugendlichen auf, sich auch selbst zu organisieren. Die Identität der Jugendgruppe wird gestärkt und die Jugendlichen können sich auch mit Sinnfragen beschäftigen. Ich finde es zum Beispiel gut, dass es einen Standort beim Friedhof gibt.

Ist das Bistumsjugendtreffen ein Jugendtreffen oder ein kirchliches Jugendtreffen?
Diethelm:
Ein kirchliches, und der Gottesdienst zu Beginn ist darin ein wichtiges Element. Wichtig sind uns zudem auch die Leitungspersonen: Wir machen ihnen ein Angebot, an dem sie mit ihren Gruppen teilnehmen können, ohne dieses selbst organisieren zu müssen. Das verstehen wir als Wertschätzung ihrer Arbeit das Jahr über.

Wer nimmt am Bistumsjugendtreffen teil?
Diethelm:
Ein grosser Teil sind Jugendliche auf dem Firmweg, dann gibt es viele Jugendliche aus pfarreilichen Jugendgruppen wie Ministrantengruppen, Jubla usw. Andere kommen im Rahmen des Projektunterrichts auf der Oberstufe. Darunter hat es natürlich immer einige, für die es ein Müssen ist und die sich entsprechend verhalten. Die Hyperinteressierten, um es mal so zu sagen, sind sicher rar…
Zeier: …aber als Teil einer grossen Gruppe diesen Tag erleben und Kirche sozusagen in der Masse wahrnehmen zu können, wird für alle auf jeden Fall eine Erfahrung sein.

Wie wollen Sie die Jugendlichen erreichen?
Diethelm:
Das Programm soll nicht anbiedernd sein, den Jugendlichen Sinn vermitteln und sie mit offenen Worten ansprechen.
Zeier: Wir haben lange darum gerungen, wenn es darum ging, für abgegriffene Begriffe eine heutige Sprache zu finden.
Fernandes: Bei Wörtern und Sätzen, die mit Gott zu tun haben etwa…
Diethelm: …oder einen moralischen Einschlag wie «Suche Dein Leben», «Auf den Weg gehen»

Sie schicken nun die Jugendlichen mit dem Smartphone auf den Churchtrail durch Luzern.
Diethelm:
Das Smartphone ist nun mal ein wichtiges Alltagsgerät. Das wollen wir aufnehmen. Zum zweiten: Wir wollen keinen Atelierbetrieb. Das gab und gibt es genug. In Ateliers werden die Jugendlichen zumeist versorgt. Auf dem Churchtrail, einer Art Postenlauf, müssen sie dagegen selbst aktiv werden. Das Handy sagt ihnen, wo die Posten sind.
Fernandes: Ursprünglich wollten wir, dass die Jugendlichen damit Bilder für die Website machen. Jetzt läuft das ganze – schneller – per WhatsApp. Wir erhalten die Bilder fortlaufend ins Churchpub im Lukaszentrum, wo sie allen sogleich zur Verfügung stehen. So können alle gewissermassen am Programm teilhaben und andere daran teilnehmen lassen, ohne selbst überall zu sein. Das wird ein Höhepunkt und viele motivieren, auch im nächsten Jahr dabei zu sein, da bin ich mir sicher.

Das Bistumsjugendtreffen 2015 bietet also ein Programm, das gewissermassen nicht verbindlich ist.
Diethelm:
Nicht ganz. Die Routen sind vorgegeben. Die Jugendlichen können sich aber in der Stadt frei bewegen – mit allen Versuchungen, von einer Route abzukommen.
Zeier: Die Gruppen sind unterwegs, ohne ständig begleitet zu werden. Dem Programm liegt eine grosse Freiheit zugrunde. Ich freue mich auf so viele Jugendliche und die Bewegung, die sie in den Tag bringen werden.
Diethelm: Diese Freiheit ist uns wichtig. Sie soll den Jugendlichen auch das Gefühl vermitteln, dass ihnen vertraut wird. Da ist niemand, der sie als Gefahrenpotential sieht.

Viktor Diethelm, 40, und Sandra Dietschi, 52, sind im Fachbereich Pastoral der Luzerner Landeskirche für die kirchliche Jugendarbeit mitverantwortlich; Petra Zeier, 46, leitet den Bereich Jugendarbeit der katholischen Kirche Stadt Luzern; Edson Fernandes, 23, Polymechaniker, arbeitet freiwillig in der Portugiesen-Mission Luzern mit.

Interview: Dominik Thali


 

Separat:

Mit dem Smartphone auf den Churchtrail

Der Churchtrail, ein Postenlauf mit dem Smartphone durch die Stadt Luzern, steht im Mittelpunkt des Bistumsjugendtreffens. Auf sechs Routen können die Jugendlichen über 40 Posten anlaufen. «Der Churchtrail will den Jugendlichen erfahrbar aufzeigen, dass es sich lohnt, suchend zu bleiben», erklärt Sandra Dietschi den Bezug zum Motto des Treffens: «Entdecken – abchecken – suchend bleiben». Unterwegs machen die Jugendlichen Bilder und übermitteln diese per WhatsApp ins Churchpub im Lukaszentrum. So können alle an den Erlebnissen teilhaben.

Dietschi organisiert den Churchtrail und freut sich, dass die Idee über 30 Einrichtungen motiviert, mitzumachen. Ein Posten zum Beispiel befindet sich im Treffpunkt Stutzegg an der Baselstrasse, dem Begegnungsort für Menschen in Not. Die Jugendlichen sehen Ausschnitte aus einem Film, beantworten Fragen dazu und kommen mit den Verantwortlichen ins Gespräch. Ein anderer Posten führt auf den Friedhof Friedental. Im «Zeitraum» hören die Jugendlichen das Hörstück «Schritte auf dem Friedhof» und setzen sich mit ihrem eigenen Sterben und Tod auseinander.
Ein weiterer Posten setzt sich mit der Frage nach dem eigenen Ich auseinander. Die Jugendlichen werden zu einer anderen Person und schicken das Bild an das Churchpub. «Ein lustvoller Umgang mit der eigenen Identität», erklärt Sandra Dietschi.

Start am Samstag, 27. September, 10 Uhr, mit einem Gottesdienst in Jesuitenkirche; Churchtrail von 11.15 bis 15.30 Uhr; gemeinsamer Abschluss 15.30 Uhr

Flyer zum Bistumsjugendtreffen 2015

Weiterführende Informationen: www.jugendtreffen.org