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Bischof Felix Gmür zur Familiensynode: Synodenväter achten auf die Lebensumstände

Bischof Felix Gmür. | © 2014 Kath. Seelsorgerat Luzern
Bischof Felix Gmür. | © 2014 Kath. Seelsorgerat Luzern

«Der dezentrale Ansatz soll dazu beitragen, den weltweit und kulturell unterschiedlichen Bedingungen rund um Familien- und Beziehungsfragen besser gerecht zu werden»: Ein Kommentar des Basler Bischofs zum Ergebnis der Familiensynode, die am 25. Oktober 2015 in Rom zu Ende ging.

Mit Blick auf die Lösung der brennenden Fragen in der Familienpastoral waren die Reformerwartungen gegenüber der Bischofssynode stark auf konkrete Regelungen fixiert. Überraschend ist dem Schlussbericht nun zu entnehmen, dass die Synodenväter ihren Blick auf eine andere Flughöhe verlagert haben: eine Flughöhe, die Entwicklung ermöglicht: Artikel 51 des Berichts stellt nach Theologieprofessorin Eva-Maria Faber ein Schlüsselsatz des Schlussberichts der Synode dar: «Während die Lehre mit Klarheit zum Ausdruck gebracht wird, sind alle Urteile zu vermeiden, welche der Komplexität der unterschiedlichen Situationen nicht Rechnung tragen. Es ist notwendig, aufmerksam hinzuschauen, wie Menschen leben und wegen ihrer Situation leiden.». Dies könne der Beginn einer neuen Kirche sein, die nicht als Richterin auftrete, kommentierte der belgische Bischof Lucas Van Looy.

In ihrem Bericht postulieren die Synodenväter einen Weg der Begleitung und Integration anstelle von Strafe und Ausschluss. Damit rückt der Gewissensentscheid ins Zentrum. Das impliziert in diesem Kontext verstärkte Entscheidungskompetenzen der Bistümer und überträgt den Seelsorgerinnen und Seelsorgern mehr Verantwortung. In der Wirtschaft nennt man dies «Frontline Empowerment». Der dezentrale Ansatz soll dazu beitragen, den weltweit und kulturell unterschiedlichen Bedingungen rund um Familien- und Beziehungsfragen besser gerecht zu werden. Auch wenn die geltenden Normen vorerst unangetastet bleiben, wird im Bericht zwischen «Ideal» und «Weg» unterschieden. Diese neue prozessorientierte Sicht kann als Paradigmenwechsel gesehen werden.

Der Ball liegt nun bei Papst Franziskus, von dem ein postsynodales Schreiben erwartet wird. Zum Abschluss der Synode betonte er, dass die erste Pflicht der Kirche nicht Verurteilungen seien, sondern die Barmherzigkeit Gottes zu verkünden, zur Umkehr aufzurufen und alle Menschen zum Heil des Herrn zu führen.