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Bischof Felix Gmür: «Eine Kirche ohne die Frauen – das wäre ein Irrsinn!»

Eine postmoderne Katholikin, eine Klosterfrau, ein Bischof und eine langjährige Pastoralassistentin präsentierten am 19. Februar in Bern das Projekt «Kirche mit den Frauen». Dieses will dem Papst das Anliegen überbringen, dass Frauen in der katholischen Kirche in Entscheidungsprozesse einbezogen werden sollen. Hierfür pilgert eine Kerngruppe ab dem 2. Mai zu Fuss von St. Gallen nach Rom.

«Ist nicht jetzt, mit diesem Papst, der Zeitpunkt gekommen, um nach Rom zu pilgern für eine geschwisterliche Kirche?» So schildert Hildegard Aepli, Pastoralassistentin, einen Geistesblitz vor zweieinhalb Jahren, der zum Projekt «Kirche mit den Frauen» führte: Männer sollen in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über Funktion und Rolle der Frauen in der katholischen Kirche entscheiden – dieses Anliegen möchte eine siebenköpfige Pilgergruppe am 2. Juli in Rom Papst Franziskus überbringen. Dafür nehmen sie 1000 Kilometer unter die Füsse und hoffen, dass 1000 weitere Personen bei der Ankunft in Rom dabei sein werden.

Felix Gmür und Markus Büchel in Rom

Dass das Anliegen nicht nur von Frauen getragen wird, bestätigte die Anwesenheit von Bischof Felix Gmür an der Medienorientierung. Gmür will ebenso wie der St. Galler Bischof Markus Büchel in Rom sein, wenn die Pilgergruppe dort eintrifft. «Eine Kirche ohne die Frauen, das wäre ein Irrsinn!», begründet Gmür in Bern seine Unterstützung des Projekts. Er wisse aus Erfahrung, wie gut es sei, wenn Frauen in kirchliche Entscheidungsprozessse einbezogen würden. Nicht weil sie besser wären, sondern «weil sie dazugehören, weil jeder und jede ihre und seine Stimme einzubringen hat», so der Bischof von Basel. Ihm gefällt das Bild des Pilgerns auf ein Ziel hin: «Die Kirche ist nicht am Ziel, wir pilgern auf ein Ziel hin. Das ist ein Prozess, den ich unterstützen möchte.»

Das genaue Ziel ist denn auch offen: Die Initianten bitten darum, dass ein gemeinsamer Dialogprozess in Gang kommen möge. Entsprechend tritt die Gruppe nicht für das Frauenpriestertum ein – ein Begriff, der an der Medienorientierung gar nicht fällt. «Wir wollen pilgernd eine Grundlage für einen Dialog schaffen. Daher sagen wir nicht, welches Thema zuerst drankommen soll», entgegnet Hauptinitiantin Aepli auf die entsprechende Frage von kath.ch.

Priorin Irene Gassmann pilgert mit

«Wer die Frauen nicht hören will, schneidet sich von wertvollen Erfahrungen und Charismen ab», sagt Irene Gassmann, Priorin des Benediktinerinnenklosters Fahr, die im Projekt-Kernteam mitwirkt. Denn schon die Benediktsregel spreche davon, dass der Abt in Entscheidungen alle Brüder und Schwestern anhören soll, erläutert die Ordensfrau, die selber eine Teilstrecke mitpilgern will.

Direkter formuliert es Lea Stocker, Ärztin und Mitpilgerin. Die katholische Kirche habe in gewissen Fragen «den Anschluss an die Realität verloren», sagt die 36-Jährige, die sich als «Frau der Postmoderne, die an Gott glaubt» bezeichnet. «Ich akzeptiere, dass die katholische Kirche langsam ist, aber ich akzeptiere nicht, dass sie still steht. Weil die katholische Kirche mir wichtig ist.»

Hoffen auf Papstaudienz

Dass es den Initiantinnen und Initianten nicht bloss um ein kirchenpolitisches, sondern durchaus um ein spirituelles Anliegen geht, verdeutlichen der Ort der Medienorientierung – die Krypta der Dreifaltigkeitskirche – und zwei symbolhafte Gegenstände: Ein dicker Reissverschluss soll zeigen, dass die Verbindung von Mann und Frau über Christus geschieht – dargestellt im Schieber des Reissverschlusses. Auf dem Pilgerweg wird ausserdem ein Läufer mitgetragen, ein 150 Jahre altes Stück Leinen, von Ordensfrauen gewoben und von einer Ordensfrau aus dem Kloster Eschenbach bestickt mit den Namen des Kernteams und mit wichtigen Daten des Projekts. Es enthält 32 Fächer, in denen Anliegen anderer Menschen mitgetragen werden sollen.

Das Kernteam hofft, mit Papst Franziskus Eucharistie zu feiern oder gar eine Audienz bei ihm zu bekommen. Zwei handgeschriebene Briefe hat der Papst in dieser Sache bereits erhalten. Von der Antwort aus dem Vatikan, Papst Franziskus nehme im Juli keine öffentlichen Auftritte wahr, lassen sich die Pilgernden nicht entmutigen: «Der Papst hat sich schon öfters nicht an Regeln und Vorgaben gehalten», schmunzelt Hildegard Aepli hoffnungsvoll.

 

Sylvia Stam / kath.ch

«Frauen gehören dazu»

Felix Gmür, Bischof von Basel, unterstützt das Projekt «Kirche mit den Frauen». Im Interview erklärt er, wo Frauen im Bistum Basel mitentscheiden können und weshalb für ihn persönlich auch das Frauenpriestertum nicht ausser Diskussion steht.

Warum unterstützen Sie das Projekt «Kirche mit den Frauen»?

Ich unterstütze es, weil es für mich klar ist, dass die Kirche nicht ohne die Frauen sein kann, sie gehören dazu, auch in Entscheidungsprozessen. Welche das genau sind, das wird man auf dem Weg herausfinden. Der Heilige Geist, so glauben wir, führt uns. Ich sehe im Bistum Basel, dass es gut ist, wenn möglichst viele Frauen einbezogen sind. Im Seelsorgerat (Oberstes Organ des Laienapostolats, Anm.d.Red.) und im Bischofrat (berät den Bischof in strategischen Fragen, Anm. d. Red.) gibt es beispielsweise Frauen.

Was können Sie in Ihrem Bistum dafür tun, dass Frauen in Entscheidungsprozessen beteiligt sind?

Ich kann sie motivieren, Theologie zu studieren und in Pfarreien mitzumachen, entweder in Leitungspositionen aktiv zu sein oder in den Räten. Bis vor kurzem war die Kommunikationsbeauftragte des Bistums Basel eine Frau, ich habe ausserdem eine weibliche theologische Mitarbeiterin. In den Strukturen der Dekanate, Pastoraleinheiten und Pfarreien des Bistums haben Frauen in Leitungsfunktionen dieselbe Befugnis wie ein Mann, der nicht Priester ist.

Halten Sie einen solchen Pilgerweg für den richtigen Weg, um zu erreichen, dass Frauen vermehrt in Entscheidungsprozesse der katholischen Kirche einbezogen werden?

Dies ist ein Weg, der für die Frauen, die das initiiert haben, und für die heutige Zeit etwas Gutes ist. Was sich daraus ergibt, wird sich zeigen.

Was erwarten Sie in dieser Frage von Papst Franziskus?

Ich lasse mich wie immer vom Papst überraschen.

Was wird Ihre Funktion bei der Ankunft der Pilger in Rom sein?

Ich wurde angefragt, in Rom eine Meditation zum Thema «Rat der Frauen» zu halten am Grab der Heiligen Katharina von Siena. Diese Kirchenlehrerin hat dem damaligen Papst Briefe geschrieben und Ratschläge gegeben, woraufhin sich etwas bewegt hat.

Das Frauenpriestertum steht nicht im Fokus dieses Projekts. Würden Sie sich dennoch persönlich dafür aussprechen?

Das Frauenpriestertum ist eine Frage, die die ganze Kirche betrifft und die ein grosses «Eskalationspotenzial» hat. Darum muss man das meines Erachtens vorsichtig angehen und alle mitnehmen. Für mich persönlich spricht biblisch betrachtet nichts dagegen, wie die Bibelkommission schon in den Siebziger-Jahren gesagt hat. Das heisst, man kann darüber diskutieren und schauen, wie man in die Zukunft geht.