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Benjamin Wigger: «Bereit sein, den Dialog zu führen»

Benjamin Wigger in seinem Büro. Der 34-Jährige ist Agroingenieur und Landwirt und seit 2010 Kirchmeier von Marbach. | © 2017 Martin Dominik Zemp, Entlebucher Anzeiger
Benjamin Wigger in seinem Büro. Der 34-Jährige ist Agroingenieur und Landwirt und seit 2010 Kirchmeier von Marbach. | © 2017 Martin Dominik Zemp, Entlebucher Anzeiger

In der katholischen Schweiz verantworten Seelsorge und Behörden die Kirche gemeinsam. Das duale System ist weltweit einzigartig. Wir lassen 2018 und 2019 Frauen und Männer zu Wort kommen, die in diesem System tätig sind. In dieser Folge: Benjamin Wigger, Landwirt und Kirchmeier von Marbach.

«Das duale System ist für einen Kirchenrat ein wichtiges Thema. Man muss akzeptieren, dass der Seelsorger seinen Zuständigkeitsbereich hat, in den ihm der Kirchenrat nicht dreinreden kann. Für die Bürger ist das manchmal schwierig zu verstehen. Die Kirchgemeinde zahle doch den Lohn des Priesters, heisst es, der Kirchenrat sei die oberste Behörde und könne dem Priester vorschreiben, was er zu tun und zu lassen habe. Man wird dann manchmal als Mitglied des Kirchenrats für dieses Tun oder Nichttun verantwortlich gemacht, obwohl man darauf keinen Einfluss hat. Die Zusammenarbeit mit unserem Priester ist anspruchsvoll, funktioniert im Grossen und Ganzen aber gut. Wir stehen auch in gutem Kontakt zum Bischofsvikar.

An einem Gespräch, an dem es um den künftigen Pastoralraum ging, war auch Weihbischof Denis Theurillat dabei. Es ist einfach wichtig, dass beide Seiten, die kirchliche wie staatskirchenrechtliche, bereit sind, den Dialog zu führen und gemeinsam nach guten Lösungen zu suchen.

Etwas für die Allgemeinheit tun
Jetzt bin ich seit bald acht Jahren Kirchmeier von Marbach. Durch mein Amt konnte ich viel dazulernen, fachlich wie menschlich. Ich konnte Führungserfahrung sammeln, ich weiss jetzt, wie eine Exekutive arbeitet, wie Geschäfte vorbereitet und Beschlüsse umgesetzt werden, bin sicher im Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern geworden.

Ich stellte mich im Sommer 2010 zur Verfügung, weil mich Zahlen interessieren und das Kirchmeieramt damals ein geeigneter Nebenerwerb für mich war. Ich wollte auch etwas für die Allgemeinheit tun. Der Aufwand hat mich dann aber etwas überrascht. Fast täglich gibt es Post und Anrufe und Mails müssen beantwortet werden. Ich schätze den Aufwand auf etwa 250 Stunden im Jahr. Für mich am schwierigsten sind die Dinge, die sofort erledigt werden müssen, etwa eine Reparatur an einer Liegenschaft oder dringende Korrespondenz. Weil die zeitliche Belastung vor allem in den Sommermonaten zu hoch geworden ist, gebe ich das Kirchmeieramt nun ab – obwohl mir der grösste Teil der Arbeit immer noch gefällt.

Der Vorteil, Synodemitglied zu sein
Ich bleibe aber Mitglied der Synode, der ich seit Juni 2014 angehöre. Für eine Kirchgemeinde ist es ein Vorteil, im Kantons­parlament vertreten zu sein, vor allem bei finanziellen Themen, etwa dem Beitragssatz oder Lastenausgleich. Ich habe einen Informationsvorsprung und enge Kontakte zu den Verantwortlichen der Landeskirche. Überhaupt, die Kontakte, der Austausch mit anderen Kirchenräten. Diese werden mir nach meinem Rücktritt bestimmt am meisten fehlen.»