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Schnell ging sie vorbei, die Zeit vom 6. November 2020, als wir mit unserer Onlinekampagne gestartet sind, bis jetzt. Drei Monate, die wir der Gleichberechtigung und den Frauen gewidmet haben. Viele kunterbunte Blogs sind entstanden. Dankbare, motivierende, mutige und ehrliche Statements. Es stehen aber auch offene Fragen, Hoffnungen, Erwartungen und Wünsche im Raum. Für all das wollten wir die Türen öffnen und damit den Meinungen Raum geben.

Wir Frauen sind bereits einen langen Weg für unsere Rechte gegangen. Vieles haben wir erreicht, für Vieles müssen wir weiterhin einstehen. Die lichte und luftige Waldkathedrale in Beromünster bildet für mich passend den erwähnten Raum ab. Ein wunderschöner und kraftvoller Ort, einladend, lichtdurchflutet und offen, gibt er auch ein Gefühl von Geborgenheit. Der Ort steht für mich sinnbildlich für eine offene Kirche.

Ich danke allen Mitwirkenden für die wunderbaren, inspirierenden und bereichernden Blogs. Ich wünsche uns allen weiterhin den Mut, gewohnte Muster und Strukturen aufzubrechen, Licht und Luft in alte Gemäuer einzulassen, um uns gemeinsam auf neue Wege zu begeben.

Sandra Huber, Synodalrätin röm.-kath. Landeskirche des Kantons Luzern

Wie jedes Jahr bin ich auch letztes Jahr mit meinen zwei Mädchen ans Schwingfest in unserem Dorf gegangen. Es ist ein Fest, wo sich das halbe Dorf trifft und den jungen Männern und Buben zuschaut, ein Glacé schleckt und mit der Nebenfrau plaudert. Wir schauen ein bisschen zu, plaudern mit den Nachbarskindern und bewundern den ein oder anderen starken Schwinger. Sie mögen im Sagmehl «klein» aussehen, aber kaum stehen die Burschen neben dir, siehst du erst welche Hünen da wirklich kämpfen.

Plötzlich fragt meine 5-jährige Tochter die ältere 7-jährige: «Wann kommen eigentlich die Mädchen dran?» Ich antworte etwas perplex, dass hier leider nur Männer schwingen dürfen. Darauf sagt die Ältere: «Das ist sicher, weil die Frauen viel stärker wären.»

Ich bin stolz auf die Gedankengänge meiner Töchter. Sie hinterfragen und suchen selbstbewusst eine Antwort, beides wäre vor 50 Jahren auf diese Weise nicht so einfach denkbar gewesen.

Simone Marchon

So betitelte der Entlebucher Anzeiger vom 10. Mai 2003 den Bericht anlässlich meiner Nomination als Präsidentin der Kirchgemeinde Entlebuch. Es wurde ausgeführt, dass man eigentlich einen Präsidenten gesucht habe, da der Frauenanteil im Kirchenrat bereits relativ hoch sei. Im Rat waren damals drei Frauen und fünf Männer. Die angefragten Männer hätten aber allesamt abgesagt, «sei es aus zeitlichen Gründen, sei es, weil man die Aufgabe angesichts der prekären Finanzlage offenbar als besonders schwierig und aufwändig einstufte.» Ich sagte damals nach meiner Nomination, dass ich mich auf die neue Aufgabe freue und gewillt sei, die anstehenden Probleme zielstrebig anzupacken und die Kirchgemeinde auf zukunftsträchtige Geleise zurückzuführen. Das ist gelungen, aber nur gemeinsam mit allen Beteiligten.
Viele Frauen engagieren sich in unserem Kanton in den Kirchenräten, stellen sich mutig den Herausforderungen, nehmen Führungsverantwortung wahr, setzen sich für die Kirche ein. Das freut mich sehr. Trotzdem – oder gerades deshalb – hoffe ich auf Frauen und Männer, die den Mut haben, sich für eine geschwisterliche Kirche einzusetzen.

Annegreth Bienz-Geisseler, Synodalrätin

Der Januar ist bereits wieder passé. Höchste Zeit, uns mit einem Steuer-Board bemerkbar zu machen. Denn nicht nur das Jahr hat eine Eins hinten bekommen, auch das Jubiläum der Landeskirchen schmückt sich nun mit einem +1.

Wir machen weiter, wo wir aufgehört haben und versuchen anzuknüpfen an das, was gut war. Wollen hinhören, wo sich Sorgen regen und Themen ins Spiel bringen, die uns umtreiben.

Gleichberechtigung zum Beispiel. Bis zum 6. Februar werden hier auf unserer Webseite noch weitere Blogbeiträge zu 50 Jahre Frauenstimmrecht Luzern aufgeschaltet. Lesenswert.

Wir wünschen viel Vergnügen beim Klicken durch unseren Newsletter.

Vor rund 30 Jahren habe ich das Lehrerinnenseminar in Baldegg besucht. Das Seminar war eine Schule, die von Baldegger Schwestern geleitet wurde und jungen Frauen offen stand, welche den Beruf der Lehrerin oder der Hausbeamtin erlernen wollten. Es mag aussenstehende Personen erstaunen wenn ich sage, dass ich an dieser Schule eindrücklich gelernt habe, was Frauenförderung und Gleichberechtigung wirklich bedeutet.

Ich habe dort Ordensschwestern erlebt, die zwar zu Gunsten der Klostergemeinschaft auf persönliche Freiheiten verzichtet haben und Einschränkungen in der persönlichen Gestaltung ihres Lebens in Kauf genommen haben. Diese Frauen waren jedoch in ihrem Geist sehr frei und selbstbewusst und mir in vielen Hinsichten ein Vorbild. Sie waren sehr gebildet und haben es verstanden, uns jungen Frauen zu vermitteln, was Emanzipation wirklich bedeutet: nämlich die eigenen Fähigkeiten so einzusetzen, dass wir selbstbestimmte und gleichzeitig für die Gesellschaft gewinnbringende Aufgaben in Angriff nehmen. Ich habe dort erfahren, dass es zu jeder Situation verschiedene Lösungswege gibt und dass wir aus eigener Kraft und mit unseren Stärken schwierige Situationen meistern können. Ich habe gelernt, dass wir Frauen selbstbewusst und engagiert für unsere Überzeugungen einstehen können. Dieses Selbstvertrauen wünsche ich allen Menschen – im Sinne der Gleichberechtigung nicht nur den Frauen!

Priska Wismer-Felder, Nationalrätin CVP

Sagt die Psychiaterin: «Ich kenne Ihr Problem noch nicht, darum fangen Sie am besten ganz am Anfang an.»

«Also. Am Anfang schuf ich Himmel und Erde.»

Warum ist das Jubiläum 50 Jahre Frauenstimmrecht wichtig? Es ist erstens wichtig, die Pionierinnen zu würdigen und den Zeitzeuginnen zuzuhören. Sie sind Vorbilder und geben Inspiration.

In der Ausstellung «Eine Stimme haben» im Historischen Museum Luzern, die bis Ende August 2021 läuft, erzählt beispielsweise die erste Luzerner Amtsrichterin Margrit Weiss in einem Video-Interview, dass man ihrem Vater bei der Arbeit gesagt hätte, er könne das Geld, das er für die Ausbildung seiner Tochter ausgebe, genauso gut in den Zürichsee werfen. Trotz dieser Reaktionen ist Margrit Weiss ihren Weg gegangen und ist Richterin geworden. Und das ist nicht mal so lange her.

Es ist zweitens wichtig, über Demokratie zu reden. John Lewis, der kürzlich verstorbene Bürgerrechtsaktivist, sagte einmal: «Demokratie ist kein Zustand, sondern Handlung.» Heute ist das Frauenstimmrecht eine Selbstverständlichkeit. Aber: Wer hat heute eine Stimme und wer nicht? Demokratie ist nie abgeschlossen, und darum lohnt sich die Frage, wie mehr Menschen an unserer Demokratie teilhaben können.

Und drittens ist es wichtig, über die Situation der Frauen heute zu sprechen und darüber, welche Baustellen es in der Gleichberechtigung gibt. In vielen Lebensbereichen spielt das Geschlecht immer noch eine grosse Rolle. Es hat sich vieles positiv verändert, aber es gibt weiterhin viel zu tun.

Ylfete Fanaj, Kantonsratspräsidentin 20/21

Als Leiterin des Blauring Malters bin ich Teil eines wertvollen Verbands für die Gesellschaft. Seit der 3. Klasse darf ich im Blauring mitbestimmen, auch wenn es in der 3. Klasse vielleicht noch Sachen waren wie: Was wird unser Gruppenname sein? Aber der Wert, dass alle Meinungen der Leitenden und aller Kinder die gleiche Gewichtung haben, bringt uns heute im Leitungsteam weiter. Ich habe es bereits angetönt, wir vertreten in der Jubla Werte oder auch Grundsätze. Unser Grundsatz «Mitbestimmen» ist ein sehr wichtiger Teil von Jungwacht Blauring, es heisst: «Alle dürfen ihre eigenen Ideen und Ansichten einbringen.» Diese Worte finde ich persönlich sehr schön und passend zum Thema «50 Jahre Frauenstimmrecht Luzern», denn auch das Parlament des Kantons Luzern hat vor 50 Jahren gesagt: Frauen sollen ihre Stimme erheben, und auch mitbestimmen dürfen.

Klar ist aber, dass wir bis zur endgültigen Gleichstellung noch einen langen Weg vor uns haben. Da spreche ich von der Gleichstellung aller Geschlechter und nicht nur von Mann und Frau. Auch für dieses Thema haben wir eine sehr offene Haltung und machen uns dafür stark in der Gesellschaft.

Aber trotzdem haben wir bereits vor 50 Jahren einen sehr wichtigen Meilenstein geschafft und darauf können wir stolz sein.

Ich freue mich, als Teil eines Verbands, Vereins und auch als Privatperson, die weiteren grossen Erfolge der Gleichstellung zu feiern.

Jana Thürig, Leiterin Blauring Malters

Gleichberechtigung ist in der römisch-katholischen Kirche in einigen Bereichen immer noch ein schwieriges Thema, bei dem es vor allem in der Ämterfrage in erster Linie um Macht geht. Dies stimmt mich immer  wieder traurig und manchmal bin ich auch frustriert, weil wir bei diesem Thema nicht vorwärts kommen. Trotzdem blüht in mir die Hoffnung, genau wie diese Blume im dürren Feld, das wir es auch noch schaffen werden.

Als Jugendlicher durfte ich Seelsorgende erleben, die bewusst für die Gleichberechtigung eingetreten sind, durch ihr tägliches Handeln. Dies ist ein wichtiger Grund, warum ich mich für ein Theologiestudium entschied und heute in der Pfarrei arbeite.

Für mich ist die Erfahrung sehr befreiend, dass beim Schöpfungslied am Anfang der Bibel der Ursegen steht: «Und Gott sah, dass es gut war. – Gott schuf den Menschen nach seinem Abbild als Frau und Mann … und Gott sah dass es gut war.»

Das versuche ich in der täglichen Arbeit auch umzusetzen. Als Beispiel möchte ich erwähnen, dass bei uns die Frauenliturgiegruppe des Frauenvereins ihre Gottesdienste selber gestaltet und feiert. Ich darf als Pfarreileiter einfach als ganz normales Mitglied der Gottesdienstgemeinschaft mitfeiern.

Markus Müller-Fuchs, Synodalrat

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