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Arbeitsintegration: Kirche will für Menschen mit einer Beeinträchtigung Brücken bauen

Eine Mitarbeiterin beim Versand der Jahresprogramme der Behindertenseelsorge
im «Contenti» in Luzern. | © 21. Nov. 2016. Dominik Thali
Eine Mitarbeiterin beim Versand der Jahresprogramme der Behindertenseelsorge im «Contenti» in Luzern. | © 21. Nov. 2016. Dominik Thali

Arbeit verleiht Würde und gibt dem Leben Sinn. Für Menschen mit einer Beeinträchtigung ist sie aber schwierig zu finden. Die Kirche will deshalb in ihrem zweiten Themenjahr von «weitsichtig handeln» zwischen Anbietern und Pfarreien/Kirchgemeinden Brücken bauen.

Ein Montag im Contenti, dem Arbeits- und Wohnort für Menschen mit einer Behinderung in Luzern: Sieben Frauen und Männer versenden das Jahresprogramm für die Behindertenseelsorge der Landeskirche: Hefte und Begleitbriefe zusammentragen, in Kuverts verpacken, Adressetiketten aufkleben. Für die 2500 Exemplare brauchen sie einen Tag. Das Contenti-Team erledigt ab und zu für kirchliche Auftraggeber Büroarbeiten. «Wir orientieren uns klar an Marktpreisen und sind nicht teurer als andere Anbieter», betont Matthias Mai, Bereichsleiter Arbeit. Aufträge an Einrichtungen für Menschen mit einer Beeinträchtigung seien aber «mehr als ein ökonomisches Tauschgeschäft». Arbeit gebe solchen Menschen die Bestätigung, ein Teil der Gesellschaft zu sein.

«Wirkliche Integration»
Solche Zusammenarbeit wollen Landeskirche und Bistumsregionalleitung im zweiten Jahr ihres Schwerpunkts «Kirche – weitsichtig handeln» fördern. Ihr Ziel: Kirchgemeinden und Pfarreien beziehen Menschen mit einer Beeinträchtigung selbstverständlich in ihren Alltag ein. Nicht nur, was schon oft geschieht, indem sie Behinderteneinrichtungen Aufträge vergeben. Sondern auch vor Ort: Über Arbeitseinsätze und vor allem Praktikumsplätze. «Das sind Chancen, sich zu bewähren und Möglichkeiten wirklicher Integration», sagt Roger Aeschlimann, Mediensprecher der Stiftung Brändi.

Brändi-Mitarbeitende jäten zum Beispiel Pfarrhausgärten oder helfen bei Kirchenreinigungen. Das Arbeiterhilfswerk (SAH) wiederum sucht jährlich 120 Praktikumsplätze, zum Beispiel für Ausgesteuerte oder Migranten. Solche Plätze seien auch deshalb schwierig zu finden, weil die möglichen Anbieter zu wenig informiert seien, stellt Monika Hauri fest.

«Eine Bereicherung»
Synodalratspräsidentin Renata Asal-Steger pflichtet ihr bei: «Es liegt wohl auch bei der Kirche weniger am Geld als an der Unsicherheit im Umgang mit Menschen mit einer Beeinträchtigung.» Aufklärung tue deshalb not. Fachbereichsleiter Gregor Gander sieht die Landeskirche als Brückenbauerin zwischen den Anbietern und den Kirchgemeinden und Pfarreien, zum Beispiel über Information und Weiterbildung, über Begegnungen oder auch eine Online-Plattform. «Es geht um weit mehr als Geld, nämlich Sinnstiftung und darum, Perspektiven für Menschen mit einer Benachteiligung zu schaffen», sagt Gregor Gander. Gassenarbeit-Geschäftsleiter Fridolin Wyss schlug an einem Austausch am 10. Januar (siehe Kasten) Seitenwechsel-Angebote für Seelsorgende vor. «Das baut Ängste ab und schafft Begeisterung». Monika Hauri vom SAH knüpfte hier an: Arbeitsintegration koste nicht nur, sie bereichere auch. «Diese wichtige Botschaft muss unbedingt vermittelt werden.»

Dominik Thali

 

Informieren und ermuntern

«Kirche – weitsichtig handeln»: 2016 haben Landeskirche und Bistumsregionalleitung unter diesem Thema ökologische Massnahmen umgesetzt, 2017 setzen sie im Bereich soziale Nachhaltigkeit den Schwerpunkt auf die Arbeitsintegration. Zum Auftakt luden sie am 10. Januar Anbieter auf dem Platz Luzern in diesem Bereich zum Austausch ein. Geplant ist nun, die Kirchgemeinden und Pfarreien über die Möglichkeiten zu informieren und sie anderseits über finanzielle Anreize zum Handeln zu motivieren. Die genaue Form ist noch offen.

Vertreten waren an dem Treffen: Schweizerisches Arbeiterhilfswerk (SAH) Zentralschweiz, Caritas Luzern, Verein kirchliche Gassenarbeit Luzern, Jugenddorf Knutwil, Stiftung Contenti, Verein Jobdach, Stiftung Rodtegg, IG Arbeit, Stiftung für Schwerbehinderte (SSBL) Luzern, Blindenfürsorgeverein Innerschweiz, Sozialwerk Novizonte, Stiftung Brändi