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Anastasius Hartmann: Bei den «Wilden» dachte er um

Das Grab von Bischof Anastasius Hartmann in Allahabad im Nordosten von Indien. Das Bild entstand 2003 beim Besuch einer Delegation aus der Schweiz anlässlich des 200. Geburtstags. | © 2003 Hans Lang
Das Grab von Bischof Anastasius Hartmann in Allahabad im Nordosten von Indien. Das Bild entstand 2003 beim Besuch einer Delegation aus der Schweiz anlässlich des 200. Geburtstags. | © 2003 Hans Lang

1841 zog Anastasius Hartmann aus, um in Indien «wilde Völker in den Schoss der Kirche zu führen», vor Ort durchlebte er einen Sinneswandel. 150 Jahre nach dem Tod des Luzerner Bischofs würdigt man hier wie dort Hartmanns Wirken.

Als Missionar blieb Anastasius Hartmann zwar im Denken seiner Zeit. In Erinnerung bleibt er aber nicht als jener Priester, der sich einst unter die «wilden Völker» aufgemacht hatte, «um sie durch das Licht und die Gnade des Evangeliums dem ewigen Verderben zu entreissen», wie Hartmann in seiner Abschiedsrede in seiner Heimatpfarrei Hitzkirch am 8. September 1841 sagte. Vielmehr gibt es bis heute in Indien Schulen, die auf Hartmanns Initiative zurückgehen. Und sogar eine Art Pfarreiblatt: Die von ihm 1850 gegründete Wochenzeitung «Bombay Catholic Examiner» besteht immer noch.

«Ein feines Gespür»
«Anastasius Hartmann zeigte ein feines Gespür für das Notwendige und Mögliche», sagt Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Luzern. «Er übersetzte katechetische Unterlagen oder gründete Zeitungen und karitative Werke. Sein Ansehen gründete insbesondere in seinem diplomatischen Geschick, durch das er lokale kirchliche Streitigkeiten beizulegen vermochte.» Für Ries steht Bischof Hartmann «für den Versuch interkultureller Kommunikation, wie er vor 100 Jahren angegangen wurde».

Anastasius Hartmann wurde 1803 in Altwis (Pfarrei Hitzkirch) geboren und trat 1821 in den Kapuzinerorden ein. Seinem Wunsch, Missionar zu werden, gab der Orden erst 1841 nach. Zwei weitere Jahre musste er sich in Rom gedulden, ehe er in den indischen Bundesstaat Uttar Pradesh gesandt wurde. Dort, in Agra, empfing er 1846 die Bischofsweihe.

Weil Hartmann die – katholische – Bildung wichtig war, die Kapuziner diese aber nicht bieten konnten, ging er den Jesuitenorden an. So kamen die ersten Schweizer Jesuiten ins damalige Bombay. Das St. Xaviers College dort mit rund 3000 Studierenden besteht bis heute. «Jesuitische Bildung» sei das Erbe, das Bischof Anastasius in Indien hinterlassen habe, sagt P. Toni Kurmann, Missionsprokurator der Schweizer Jesuiten.

1856 kehrte Anastasius Hartmann nach Hause zurück, 1860 reiste er ein zweites Mal nach Indien, wo er 1866 an der Cholera starb.

Dominik Thali

Anastasius Hartmann aus dem Luzerner Seetal

Unter den Missionsbischöfen, die aus der Schweiz stammen, ragt der Kapuziner Anastasius Hartmann hervor, dessen Todestag wir heuer zum 150. Mal begehen. Er gehörte im 19. Jahrhundert zu den wegweisenden Pionieren der Weltmission.

Bischof Anastasius, wie ihn der Grafiker und Illustrator Ludwig Suter (Beromünster) sieht. | © 2016 Ludwig Suter

Von Kindsbeinen an war es der Herzenswunsch von Anastasius Hartmann, Missionar zu werden. Doch der 1803 in Altwis im Luzerner Seetal Geborene musste – eingetreten in den Orden der Kapuziner – noch Jahrzehnte warten, bis es so weit war.  Anastasius wurde der erste Schweizer Kapuziner-Missionar in Übersee. Er war überglücklich: «Ich gehe in die Missionen, weil mich eine innere Berufung dazu drängt, so dass ich darin einzig und allein den Willen Gottes erkennen muss.»

Im November 1843 konnte er mit zwei Mitbrüdern nach Agra, im Westen des Bundesstaats Uttar Pradesh in Indien, aufbrechen. Nach mehrmonatiger Reise schrieb er, glücklich am 6. März 1844 in Agra, dem Sitz der Apostolischen Vikare, angekommen: «Ich bin vollkommen zufrieden. Ich habe nun keinen anderen Wunsch und keine andere Sorge mehr, als den christlichen Glauben hier mit Gottes Gnade und Segen zu beleben und auszubreiten.»

20 Jahre leidenschaftlicher Missionar
Dieser Aufgabe widmete sich Anastasius Hartmann in Indien ingesamt über 20 Jahre mit grossem Engagement und voller Leidenschaft. Zuerst war er einfacher Missionar in Agra und Gwalior (1844-1846). Dann wurde er vom Papst nach der Bischofsweihe am 19. März 1846 zum Apostolischen Vikar in Patna (1846-1849) im Nordosten Indiens bestimmt, anschliessend zum apostolischen Administrator (1849-1854) und zusätzlich apostolischen Vikar (1854-1856) in Bombay, die letzten Lebensjahre schliesslich erneut als apostolischer Vikar in Patna.

Der Theologe und Kapuziner Walbert Bühlmann würdigt Anastasius Hartmann in seiner Biographie (1966) als eine prophetische Gestalt in der Kirche, die manche Forderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils vorweggenommen habe. Bischof Anastasius war «offen für die Zeichen der Zeit», versuchte den Glauben in Indien zu inkulturieren, indem er die einheimische Sprache Urdu lernte, «damit ich auf öffentlicher Gasse predigen kann, aber auch, damit ich für die armen Christen die nötigen Bücher verfassen kann, einen grösseren Katechismus, ein gutes Gebetsbuch sowie das Neue Testament.»

Auswirkungen bis heute
All das hat er später ausgeführt, aber noch vieles mehr: Er errichtete neue Pfarreien, Schulen, Kinderheime und Seminare. Er bereiste unermüdlich sein Bistum auch über weite und unwegsame Strecken hinweg. In Bombay rief er eine Mittelschule ins Leben, woraus das noch heute bestehende, berühmte St. Xavier’s University College entstand. 1850 gründete Bischof Anastasius Hartmann den «Bombay Examiner», die älteste, heute noch existierende, katholische Zeitung Indiens.

Kardinal Gracias von Bombay sagte später über den Schweizer Missionsbischof: «Alles, was das katholische Bombay zu dem macht, was es heute ist, geht auf Bischof Hartmann zurück: das katholische Erziehungswesen, das Priesterseminar, die katholische Presse.»

Vielfältiges Wirken – trotz Krankheit
Daneben kämpfte Anastasius als Bischof gegen die Gefahr schismatischer Tendenzen in der katholischen Kirche Indiens. Er setzte sich während seines Europaaufenthaltes in London vor dem Unterhaus für die Gleichberechtigung der katholischen mit der anglikanischen Kirche in Indien ein. Und er förderte den einheimischen Klerus. Ebenso war er für eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen (konkurrierenden) Orden und Bischöfe in den Missionen.

Zunehmend aber belasteten ihn gesundheitliche Probleme
Bereits vom ersten Missionsjahr weg litt er unter der damals unheilbaren Tropen-Dysenterie (Bakterienruhr), die ihn auch immer wieder in tiefe Depressionen stürzte: «Ich fühle mich wie ans Kreuz genagelt, den Kopf von Sorgen zerstochen wie von Dornen. Doch Gott hat immer geholfen, er wird auch weiter helfen», schrieb er.
Am 24. April 1866 starb er nach einer Cholera-Attacke in Kurji, St. Joseph`s Orphanage (nahe Patna), wo sich zu diesem Zeitpunkt seine Residenz befand. Zuerst wurde er in der St. Joseph’s-Kapelle in Bankipore begraben, später wurde sein Leichnam in die Kathedrale St. Joseph in Allahabad überführt.
Papst Johannes Paul II. anerkannte am 21. Dezember 1998 den heroischen Tugendgrad seines Lebens und verlieh ihm den Titel «Ehrwürdiger Diener Gottes».

Beat Baumgartner


Vortrag und Feier

«Ein Seetaler und seine Grenzerfahrungen am Ganges»: Vortrag über Bischof Anastasius Hartmann am Montag, 11. April 2016, 20 Uhr im Pfarreiheim Hitzkirch; Referent: Prof. Dr. Markus Ries; Veranstalter: Pfarrei Hitzkirch; Eintritt frei

Gedenkfeier: Sonntag, 24. April 2016, mit Bischof Felix Gmür, 10 Uhr, Pfarrkirche Hitzkirch, anschliessend Fussmarsch nach Altwis

Aus dem «Luzerner Kirchenschiff» vom April 2016. Zur ganzen Ausgabe und früheren Nummern: hier…