Zur Startseite Zur Navigation Zum Inhalt Zur Kontaktseite Zur Sitemapseite Zur Suche

Am 3. Luzerner Singalong mitsingen, denn «eine Stimme haben alle»

Am 2. Luzerner Singalong 2916. Rechts Solistin Ursina Patzen (links) mit Dirigentin Ulrike Grosch. | © 2016 Monique Wittwer
Am 2. Luzerner Singalong 2916. Rechts Solistin Ursina Patzen (links) mit Dirigentin Ulrike Grosch. | © 2016 Monique Wittwer

Ursina Patzen ist ausgebildete Sängerin. Als Alt-Solistin nimmt sie am 28. Dezember am 3. Luzerner Singalong teil, einem grossen Mitmach-Konzert. Im Gespräch erklärt sie – die an allen drei bisherigen Singalongs teilgenommen hat – was ihre Motivation ist, als Profi mit einem Laien-Chor zu singen.

Was macht für Sie als professionelle Sängerin den Reiz aus, mit einem Chor aus Laien zu singen?
Ursina Patzen: Der grosse Reiz ist für mich, dass es ein riesiges Miteinander ist. Wenn das Publikum mitsingen darf, hebt das alles auf eine andere Stufe. Normalerweise gibt es die Trennung zwischen Musiker und Publikum. Man versucht zwar, die Grenze musikalisch zu überschreiten, aber trotzdem bleibt die Distanz immer relativ gross. Wenn das Publikum mitsingt, entwickelt sich nochmals eine andere Energie.

Bereiten Sie sich anders vor als auf einen «normalen» Auftritt?
Einen sehr grossen Unterschied macht es nicht. Ich habe mich 2014 vor dem 1. Luzerner Singalong sehr gut vorbereitet, weil es das erste Mal war, dass ich Bachs Weihnachtsoratorium gesungen habe. Wenn ich heute an das Oratorium herangehe, versuche ich, eine neue Mischung zu finden. Ich will nicht mehr singen wie vor vier Jahren.

Wie merken Sie am Singalong, dass Sie mit einem Laien-Chor auftreten?
Es gibt schon Unterschiede: Auf der einen Seite hat ein Profi-Chor einen kompakteren Klang oder ist in den Tempi flexibler. Aber dadurch, dass der Singalong-Chor schon im Voraus viel übt und probt, kommt er immer auf ein gutes Niveau.

Was sagen Sie jemandem, der zögert sich anzumelden, weil er oder sie der Meinung ist, er/sie könne nicht singen?
Man sollte mit der Teilnahme am Singalong versuchen, die Hemmungen fallen zu lassen und über den eigenen Schatten zu springen. Eine Stimme haben alle. Die sollte man nutzen. Ausserdem unterstützt einen die Gemeinschaft sehr gut.

Was ist für Sie als Profi das besondere an einem Singalong?
Die Freude, die der Laien-Chor mitbringt. Bei einem Profi-Chor merkt man manchmal, dass er es nicht das erste Mal singt. Dagegen spürt man beim Laien-Chor: Die sind mit Herz und Feuer dabei. Ich kann mich daran erinnern, wie gewisse Chorsänger kamen und sagten: «Ich freue mich, ich habe das geübt, und es kommt so gut. Es macht so viel Spass mit allen zusammen diese Musik zu machen.» Und dadurch, dass es keine Zuhörer gibt, wird es ein grosses Gemeinschafts-Ding. Es ist eine ganz andere Präsenz, da die Chor-Sänger während den Solo-Arien wissen, dass sie nachher wieder singen. Das Publikum driftet bei einem Singalong nicht ab.

Was ist das Schwierige an einem Singalong?
Bach an sich ist nicht einfach. Es ist schön, ich mache es sehr gern, ich liebe Bach, aber es ist jedes Mal eine Herausforderung. Schwierigkeiten sehe ich sonst beim Singalong keine, dadurch dass wir es nun schon zum dritten Mal machen. Vor dem 1. Luzerner Singalong stellte ich mir – weil ich das Konzept «Singalong» nicht gekannt hatte – viele Fragen: Wie ist der Chor? Kann der das? Kann ich mich konzentrieren, wenn so viel los ist? Eine Teilnehmerin der ersten beiden Singalongs war begeistert davon, mit dem Singalong gemeinsam etwas realisiert zu haben, das nachhallt und in Erinnerung bleibt.

Merkten Sie während des Singalongs etwas von dieser Stimmung oder Euphorie der Singenden?
Wahrscheinlich haben sowohl der Profi- als auch der Laien-Chor Freude an dem, was sie produzieren. Aber für den Laien ist es weniger selbstverständlich als für den Profi. Sie arbeiten mit grossem Einsatz auf das Konzert hin. So herrscht dann beim Auftritt eine ganz andere Energie als bei einem normalen Konzert: Alle freuen sich darauf, alle wissen, jetzt gilt es ernst. Ich finde, man hat ihnen schon angesehen, dass ihnen das unglaublich Freude gemacht hat. Ausserdem ist bei einem Singalong das Zusammenkommen besonders, das ist wie ein
grosses Familien-Treffen: Da freue ich mich jetzt schon darauf – wie ein Kind.

Interview: Daniel Lay

 

Singalong: Das Mitmach-Konzert

Bei einem Singalong werden grosse Chorwerke mit professionellen Musikerinnen/Musikern und Solistinnen/Solisten besetzt, den Chor jedoch stellt das Veranstaltungspublikum. Jede Besucherin und jeder Besucher hat somit aktiven Anteil am Gelingen der Aufführung. Es ist ein unvergessliches Erlebnis, die Chöre und die Arien inmitten eines grossen und enthusiastischen Chores zu singen.

Beim 3. Luzerner Singalong kommen die Kantaten 1 sowie 4 bis 6 aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach zur Aufführung. Der Singalong steht allen Menschen offen, die gerne singen. Bedingungen sind eine Anmeldung auf der Singalong-Website, der Erwerb einer Mitsingkarte und ein Klavierauszug des Werkes (Notenkopien sind nicht gestattet). Beim Notencafé Luzern kann der Klavierauszug zu besonderen Konditionen gekauft werden:

  • Notenkaffee Luzern, Alpenquai 4, 041 240 84 40, www.notencafe.ch

Offene Proben
Die beteiligten Chöre und Sängerinnen/Sänger proben selbstständig. Der Franziskanerchor bietet für Interessierte offene Proben an:

  • Donnerstag, 22. November, Pfarreizentrum St. Johannes
  • Donnerstag, 6. Dezember, Paulusheim Luzern
  • jeweils 19.30–21.15

Probe für alle Angemeldeten

  • Samstag, 15. Dezember, 9.30–16.00, Paulusheim Luzern

Konzert

  • Freitag, 28. Dezember, 17.00 Einlass in die Pauluskirche
  • 17.30 kurze Anspielprobe mit dem Orchester
  • 18.00 Konzertbeginn
  • Pause nach der 4. Kantate

Anmeldung und Informationen

www.luzern-singalong.ch