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Kirchliche Jugendarbeit
Die kirchliche Jugendarbeit ist Wegbegleitung junger Menschen
Kirchliche Jugendarbeit der katholischen Kirche in der deutschsprachigen Schweiz von Dominik Schenker, Deutschschweizer Fachstelle für kirchliche Jugendarbeit, Zürich (1) 40‘000 Kinder und Jugendliche von Blauring, Jungwacht und vom Verband katholischer Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VKP) packen jedes Jahr die Rucksäcke und verbringen gemeinsam eine oder zwei Wochen im Zelt oder Lagerhaus. In einem gelungenen Lager sind die Kinder und Jugendlichen füreinander da. Das zeigt sich im geteilten Schoggistängeli, im Trost bei Heimweh oder in der Unterstützung im Leitungsteam. Neben Unbeschwertem, Spielerischem und Ausgelassenem treten in jedem Lager auch schwierige Situationen und Konflikte auf. Die Bewältigung von heiklen Situationen und positive Konfliktlösungen sind in der Rückschau oft Schlüsselmomente, an denen ein persönlicher Fortschritt stattgefunden hat. Die grosse Mitbestimmungsmöglichkeit und die frühe, altersgerechte Übertragung von Verantwortung gehören zur Methodik der Verbandsarbeit: Die Mehrheit der Leiterinnen und Leiter in der schweizerischen Jugendverbänden ist zwischen 16 und 21 Jahr alt. Jugendverbandslager sind Orte für tiefe Gespräche am Lagerfeuer, für das Leben mit und in der Natur und für jugendgerechte spirituelle Impulse und Besinnungen. Das Leitungsteam wird im Idealfall von einem oder einer Präses begleitet und bei der Animation Spirituelle unterstützt. Gelingende Sommerlager sind nicht nur eindrückliche Erlebnisse, sondern auch ideale Lernorte einer subjektorientierten und diakonischen Jugendarbeit. Jugendarbeit ist ein Teil der Jugendpastoral Kirchliche Jugendarbeit ist ein Teil innerhalb der Jugendpastoral mit einer ganz spezifischen Zielsetzung. Jedes der drei wichtigen jugendpastoralen Arbeitsfelder lässt sich über ein Hauptziel definieren: - Das Ziel der pfarreilich orientierten Jugendarbeit ist die Begleitung
- Das Ziel der Oberstufenkatechese ist die religiöse Bildung
- Das Ziel der Firmung ab 17/18 ist die kirchliche Sozialisation
Neben den Jugendverbänden besteht die pfarreilich orientierte Jugendarbeit aus der Ministranten- und Ministrantinnen-Pastoral und der offenen Jugendarbeit. Diese Jugendarbeit lebt in der unspektakulären und kontinuierlichen Arbeit in der Pfarrei. Zu ihrer Stärken gehört Stabilität und Konstanz. Die Jugendarbeitenden der offenen Jugendarbeit, die im JUSESO-Verein organisiert sind, bieten u.a. Jugendräume, Treffangebote, Projekte, verbindliche thematische Gruppen, Ferien- und Wochenendangeboten und Kurse an. Diese Form der kirchlichen Jugendarbeit zeichnet sich thematisch durch Offenheit, Vielfältigkeit und Beweglichkeit aus. Das Angebot der Jugendarbeitenden kann Jugendliche erreichen, welche aus persönlichen und sozialen Gründen die Verbindlichkeit eines Verbandes nicht leben können oder wollen. Projekte ermöglichen ein befristetes Engagement. Treffangebote können für Jugendliche zu wichtigen Oasen werden, besonders bei problematischen familiären Situationen. Spirituelle Angebote, wie zum Beispiel eine Assisi- oder Taizé-Reise, Schulentlassenentage oder Kurse, gehören ebenfalls zum Angebot von Jugendarbeitsstellen. Je nach Programm und ländlicher resp. städtischer Lage werden unterschiedliche Segmente von Jugendlichen angesprochen. Exkurs: Firmung ab 17/18 und kirchliche Jugendarbeit (2) Einem subjektorientierten Ansatz folgt auch der katechetische Weg „Firmung ab 17/18“, der in zahlreichen Regionen der Deutschschweiz angeboten wird. Neben die diakonische Aufgabe, Jugendlichen Lebensbegleitung und Lebenshilfe an der Schwelle zum Erwachsenwerden anzubieten, tritt jedoch im Fall der Firmvorbereitung der Verkündigungsaspekt. Firmvorbereitung ist eine katechetische Aktivität mit Methoden der Jugendarbeit. Vor Ort ist „Firmung ab 17/18“ auf eine gut funktionierende Jugendarbeit angewiesen. Es ist möglich, dass Angebote pfarreilicher Jugendarbeit als Folge einer guten Firmgruppenarbeit entstehen. „Firmung ab 17/18“ ersetzt die pfarreiliche Jugendarbeit jedoch nicht. Die Firmvorbereitung mit jungen Erwachsenen in der Pfarrei zielt auf kirchliche Sozialisation. Hinter der Entscheidung für das Firmalter um den Zeitpunkt des Mündig-Werdens stehen weniger theologische denn anthropologische Begründungen. So wird das Sakrament der Firmung auch als Initiationssakrament verstanden. In einer anstrengenden Lebensphase (Lehrabschlussprüfung, Matura, Zukunftsplanung) können Jugendliche Kirche als einen „sympathischen“ Ort erfahren. Hier können sie einerseits „aufschnaufen“ und Gemeinschaft erfahren. Anderseits können sie sich neu mit Fragen des Glaubens auseinandersetzen und Antworten erhalten auf Fragen zum Glaubenswissen. In den Firmgruppen können die Adoleszenten religiöse Erfahrungen in der Gemeinschaft machen. In den Firmbegleiter(inne)n begegnen ihnen glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen des Glaubens. Ihr Entwicklungsstand ermöglicht es den jungen Leuten eine bewusste Entscheidung im Hinblick auf das Sakrament der Firmung und die Eingliederung in die kirchliche Gemeinschaft zu treffen. Die kirchliche Jugendarbeit ist Wegbegleitung junger Menschen (3) Die Anforderungen an die heutigen Jugendlichen sind gross, fundamentale Entwicklungsaufgaben müssen in einem anspruchsvollen Umfeld bewältigt werden. Jugendliche zwischen 14 und 20 müssen: - sich selber kennen lernen und wissen, welches Bild andere von ihnen haben.
- sich als eigene Person und nicht mehr als Kind eines Elternpaares verstehen lernen.
- die Veränderungen ihres eigenen Körpers akzeptieren und sich mit der Geschlechtsrolle als Frau/Mann auseinandersetzen.
- eine Zukunftsperspektive entwickeln. Beruflich, sozial und persönlich müssen Ziele ausgewählt und angesteuert werden.
- eigene Wertmassstäbe entwickeln, an denen das Handeln ausgerichtet wird.
- eigene religiöse Vorstellung entwickeln.
Gelingende Sommerlager sind nicht nur eindrückliche Erlebnisse, sondern auch ideale Lernorte einer subjektorientierten und diakonischen Jugendarbeit. Vieles hat heute seine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit verloren. Vorgegebene Lösungen, Biographieverläufe oder Werte müssen und können nicht mehr einfach übernommen werden. Das Hergebrachte hat in den letzten Jahrzehnten seine prägende Kraft verloren. Frauen stehen z.B. Alternativen zur Hausfrauen- und Mutterrolle offen oder die Werte und Religiosität der Eltern sind nicht mehr die primären Fixpunkte für die eigenen Vorstellungen. Dies eröffnet einerseits neue Handlungsmöglichkeiten und anderseits neue Anforderungen. Kirchliche Jugendarbeit ist Wegbegleitung junger Menschen in einer lebensgeschichtlich anspruchsvollen Phase. Diese Begleitung soll die persönliche Entfaltung der Kinder und Jugendlichen positiv unterstützen. Auf die oben genannten Entwicklungsaufgaben umgesetzt heisst dies, die Jugendarbeit soll die persönlichen Handlungsmöglichkeiten vergrössern helfen und eine bewusste Reflexion über eigene Ziele, Werte und Religiosität ermöglichen. Das Ziel ist der „der freie, kontaktfähige, engagierte, kritische, selbst- und verantwortungsbewusste Mensch (4)“. Diese Subjektwerdung geschieht in sozialen Beziehungen und in der Lebenswelt der Jugendlichen. Deshalb wird in der kirchlichen Jugendarbeit bevorzugt in Gruppen gearbeitet und die Lebenswelt der Jugendlichen respektiert. Jugend und Religion Deutschschweizer Jugendliche sind erstaunlich religiös, dies zeigte eine Studie bei über 1‘000 Jugendlichen der deutschschweizer Fachstelle für kirchliche Jugendarbeit (5): Über zwei Drittel der 12 bis 16jährigen glauben an Gott, nur 18 Prozent der Jugendlichen beten nie. Fast die Hälfte der Jugendlichen betrachtet ihren Glauben als Hilfe bei Problemen. Bei den Jugendlichen sind keine Anzeichen zu sehen, dass die christlichen Glaubensvorstellungen durch fernöstliche verdrängt würden. Jedoch erstaunt die Verschiedenheit der Vorstellungen. Dies wird für Institutionen, welche Wert auf uniforme Glaubensvorstellungen legen, zunehmend zum Problem werden. Das auffälligste Resultat ist die Diskrepanz zwischen der privaten und der öffentlich sichtbaren Religiosität. Religion ist bei den Jugendlichen zum Tabuthema geworden, Jugendliche sind mehrheitlich religiös, haben sehr unterschiedliche Vorstellungen und sprechen kaum mit jemandem über religiöse Fragen. Nicht jede Form der Religiosität ist für Jugendliche förderlich. Der Diskurs über die persönliche Religiosität erleichtert die Entwicklung einer alters- und entwicklungsgemässen Religiosität. Für die Diskussion sind geeignete Räume und Zeiten und glaubwürdige Diskussionspartnerinnen und –partner notwendig. Die aktuelle Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass Jugendliche eher am Lagerfeuer um halb zwei Uhr oder bei Umbauarbeiten im Jugendraum über ihre Religiosität sprechen, als im schulischen Unterricht.

Spezifika kirchlicher Jugendarbeit
Das Spezielle der kirchlichen Jugendarbeit lässt sich auf den drei Ebenen der Tätigkeiten, der Struktur und der Begründung beschreiben: - Bei den Tätigkeiten fallen die implizite und explizite Thematisierung von religiösen Themen und die Gestaltung von Besinnungen und Gottesdiensten auf. Zentral ist hier, dass wie oben beschrieben, ein Raum geschaffen wird, in welchem von den Jugendlichen religiöse Fragen diskutiert werden können.
- Die kirchliche Jugendarbeit ist in die kirchliche Struktur eingebunden. Die kirchliche Jugendarbeit ist ein Dienst der Kirche an der Jugend, der im personalen Angebot, sowie im Sachangebot (Räume und finanzielle Unterstützung) geleistet wird.
- Auf der Begründungsebene argumentiert die kirchliche Jugendarbeit zusätzlich mit einer theologischen Perspektive.
Der solidarische Lebensstil des im Eingang erwähnten Jugendverbands wird als ein Aufscheinen der Reich-Gottes-Verheissung interpretiert und als Zugangsmöglichkeit „zu jener Lebensweise (...), wie sie Jesus von Nazareth gelebt hat (6)“. Die angestrebte Subjektivität ist eine „Subjektivität vor Gott (7)“ und in der dialogischen Struktur der Offenbarung begründet: Nur der solidarische, freie, verantwortliche und selbstbewusste Mensch kann sich für oder gegen die Annahme des Glaubens entscheiden (8). Die pfarreilich orientierte Jugendarbeit will weder missionieren noch rekrutieren, sondern begleiten. Jugendarbeit ist ein selbstloser Dienst der Kirche an der Jugend. „Wo dies zur Grundhaltung wird und glaubwürdig ist, kann kirchliche Jugendarbeit darauf vertrauen, dass es immer auch junge Menschen geben wird, die bewusst in die Nachfolge Jesu eintreten (9)“. Die Erfahrungen der letzten dreissig Jahre geben den Verfasserinnen und Verfassern des Synodenbeschlusses Recht: Befragt man kirchlich Engagierte nach ihren Beweggründen, werden überdurchschnittlich häufig Erfahrungen aus der Jugendarbeit genannt, zum Beispiel als Leiter oder Leiterin in einem kirchlichen Jugendverband. Dies zeigt sich, wenn man Studierende am Religionspädagogisches Institut Luzern nach ihrer Studienmotivation befragt. Die Erfahrungen aus dem eingangs erwähnten Sommerlager wirken nach. Die Jugendlichen erleben die Jugendverbandslager nicht als „kirchliche Jugendarbeit“, sondern als Pfadi resp. Jungwacht & Blauring. Die Deutung, dass die Jugendarbeitserfahrungen zentral mit der eigenen Religiosität und mit Kirche zu tun hatten, erfolgt erst aus einer gewissen biographischen Distanz. Versuchte man Jugendliche diese Deutungen im Jugendverband zu vermitteln, würden sie diese als kirchlichen Vereinnahmungsversuch erleben und massiv ablehnen. Dies ergibt das Paradox, dass kirchliche Jugendarbeit nicht Berufungspastoral sein will, aber lebensgeschichtlich entscheidend ist, sich später ehrenamtlich oder professionell in der Kirche zu engagieren. Mitarbeitende in der kirchlichen Jugendarbeit leben ihren Glauben im Alltag und geben über ihre Hoffnung Auskunft, wenn sie danach gefragt werden. Dies ist also weder ein aktives „Missionieren“, noch ein Verstecken der eigenen Religiosität. Von den Jugendlichen wird kein Bekenntnis verlangt, um sich in der Jugendarbeit beteiligen zu können. Es besteht aber die Möglichkeit, sich aktiv und kritisch mit den eigenen Glaubensüberzeugungen auseinandersetzen zu können. Obwohl es sich um katholische Jugendarbeit handelt, kann eine ökumenische Offenheit gelebt werden. Die kirchliche Jugendarbeit macht Angebote zu einer expliziten Thematisierung religiöser Themen und lädt zu Besinnungen und Gottesdiensten ein. Die Angebote sind echte Angebote, die von den Jugendlichen frei angenommen oder abgelehnt werden. Religiöse Biographien verlaufen kaum mehr geradlinig – sie sind durch Brüche und Ungleichzeitigkeiten gekennzeichnet. Jugendliche (und auch Erwachsene) stehen vor der Aufgabe, sich ihre eigene religiöse Identität fortlaufend erarbeiten zu müssen. Die Sinndeutungsangebote sind vielfältig, die Spiritualitäten unterschiedlich – auch innerhalb der katholischen Kirche. Sie können nicht als „fertiges Paket“ übernommen werden. Die kirchliche Jugendarbeit begleitet und unterstützt Jugendliche bei der Erarbeitung ihrer eigenen Religiosität. Im frühen Christentum bedeutete Mystagogie die Einführung von Taufbewerberinnen und Taufbewerbern in die Geheimnisse des Glaubens. Karl Rahner hat diesen altchristlichen Begriff neu verwendet. „Rahner bezeichnet Mystagogie als den Weg des Menschen, dem Geheimnis, das ihm durch seine Existenz begegnet nachzugehen, und so in eine bewusste Beziehung zu Gott zu treten (10)“. Die pfarreilich orientierte Jugendarbeit arbeitet in diesem Sinn mystagogisch (11). Mystagogie, im Verständnis Karl Rahners, gründet auf der Glaubensüberzeugung, dass Gott bereits bei den Jugendlichen ist, wenn sie mit kirchlichen Jugendarbeitenden in Kontakt treten. Gott ist in jedem Menschen immer schon da, als Frage und Geheimnis das über den Menschen hinaus auf ein Absolutes verweist. Im mystagogischen Geschehen soll die Entdeckung des Selbst auch zur Erfahrung Gottes führen. Nach Rahner bilden die Selbst- und Gotteserfahrung eine Einheit: Die Geschichte der Subjektwerdung ist gleichzeitig die Geschichte der Gotteserfahrung. Die Erfahrung von Gott braucht keine von der Welt ausgegrenzten heiligen Orte und Zeiten. Sie ist in der konkreten Alltagserfahrung enthalten. In der Sonnenaufgangswanderung wird die Schöpfung erlebt, Solidarität im Teilen des Schoggistängelis und in der Hilfe im Leitungsteam. Die Jugendarbeitenden bieten behutsam und situationsgerecht eine mystagogische Deutung an, um die eigene Geschichte als Geschichte mit Gott zu begreifen. Die Deutung muss den Jugendlichen, ihren Erfahrungen und Lebenswelt entsprechen. Mystagogie ist es kein Einwegprozess, in dem kirchliche Jugendarbeitende für Jugendlichen Gott entdecken lernen, sondern gleichzeitig entdecken mit und in den Jugendlichen auch die Jugendarbeitenden Gott. Strukturen der kirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der deutschsprachigen Schweiz Die wichtigste Ebene der kirchlichen Jugendarbeit ist die Pfarrei als Ort, an dem der Kontakt mit den Jugendlichen stattfindet und als strukturelle Referenzgrösse. Die pfarreilich orientierte Jugendarbeit hat sich im Forum pfarreilich orientierte Jugendarbeit zusammengeschlossen. Dem Forum gehören der Verein deutschschweizer JugendseelsorgerInnen (JUSESO-Verein), die Jugendverbände Blauring & Jungwacht (BR & JW), der Verband katholischer Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VKP), die deutschschweizerische Arbeitsgruppe für MinistrantInnenpastoral (DAMP) sowie die deutschschweizer Fachstelle für kirchliche Jugendarbeit an. Das Forum ist für seine Mitglieder der zentrale Ort des Informationsaustausches, der Kooperation und der Grundlagendiskussion auf sprachregionaler Ebene. Um eine Vorstellung der Grossenordnungen zu erhalten: - Jungwacht und Blauring gehören über 30‘000, dem VKP über 10‘000 Mitglieder an.
- Die Zahl der Ministrantinnen und Ministranten ist schwerer zu bestimmen, jedoch wird die 10’000er-Grenze überschreiten.
- Ausgehend von den Adressen der Fachstelle ist die Zahl der Jugendarbeitenden und –seelsorgenden in der deutschsprachigen Schweiz auf rund 500 zu schätzen.
Sowohl Jungwacht & Blauring, als auch die Jugendseelsorgenden verfügen über eigene regionale und kantonale resp. diözesane Strukturen. Der Verband der katholischen Pfadfinderinnen und Pfadfinder ist ein konfessioneller Unterverband in der Pfadibewegung Schweiz (PBS). Er kann einerseits die Strukturen der PBS nutzen und hat zusätzlich in einem beschränkten Mass eigene. Die Verbände und de JUSESO-Verein werden von der deutschschweizer Fachstelle für kirchliche Jugendarbeit in ihrer Arbeit in der Koordination, bei Grundlagenfragen und der Fortbildung unterstützt - wie in der Schweiz üblich unter Wahrung der Subsidiarität. Der Ordinarienkonferenz-Jugendvereinigungen OKJV ist ein Kontaktpunkt zwischen den Vertretern der Bistümer, den Mitgliedern des Forums pfarreilich orientierter Jugendarbeit, den jungen Orden, der Jungen Franziskanischen Gemeinschaft (JFG), der Kolping-Jugend und der spirituellen Bewegungen (Movimenti), Schönstatt Jugend, Gen-Bewegung, Jugend 2000 und Junge Erneuerung aus dem Geist Gottes. Zusammen sind in der Kolping Jugend und den Movimenti gegen 1‘000 Mitglieder im Jugendalter engagiert. Durch die unterschiedlichen Strukturen, Arbeits- und Organisationsformen der Mitglieder bedingt, waren in der Vergangenheit die wichtigen Funktionen der OKJV die Schaffung von Verständnis der Differenz und die gegenseitige Information. Eine Ausnahme bildete das katholische Jugendtreffen vom 5./6. Juni 2004, in dem sich alle Mitglieder der OKJV engagierten. Jugendbischof Denis Theurillat und der Verantwortliche für Jugendpastoral in der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz (DOK) Bischofsvikar Kurt Stulz arbeiten eng mit den Vertreterinnen und Vertretern des Forums und der OJKV zusammen. Ein Resultat dieser Zusammenarbeit ist das Perspektivenpapier (12), das zusammen mit der pfarreilich orientierten Jugendarbeit ausgearbeitet wurde. Herausforderungen der Zukunft In der kirchlichen Jugendarbeit wird heute gute Arbeit geleistet, trotz der eingeschränkten Mittel und des eher schlechten Images als kirchliche Organisationen. In drei Bereichen sind für die Zukunft verstärkte Anstrengungen nötig: In der Integration, dem Gender-Sensibilität und einer verstärkten Zielgruppenorientierung. Die kirchliche Jugendarbeit spricht heute primär Jugendlicheaus schweizerischen Mittelschichtsfamilien an, die überdurchschnittlich gut gebildet sind. Die Ausnahme bilden die Jugendtreffs der offenen Jugendarbeit, welche eine wichtige Oasenfunktion wahrnehmen. Hingegen sind in den Kernteams von Jugendseelsorgenden oder in den Leitungsteams der Jugendverbände Gymnasiastinnen und Gymnasiasten übervertreten. Jene Jugendlichen, welche besonders in ihrer Subjektivität bedroht sind, erreicht die kirchliche Jugendarbeit bisher ungenügend. In der Option für die Jugend muss die Option für die Schwächeren innerhalb der Jugend verstärkt werden. In diese Richtung geht die Integrationsequipe der Pfadibewegung Schweiz, welche aktiv vom VKP unterstützt wird. Es gibt keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit. Frauen und Männer befinden sich in unterschiedlichen Lebenssituationen und vertreten unterschiedliche Interessen, auf Grund der gesellschaftlich und kulturell geprägten Geschlechtsrolle (Gender). Die kirchliche Jugendarbeit muss sich bemühen, dass junge Frauen und Männer bei der Gestaltung von Programmen, Strukturen und Abläufen in gleichem Mass berücksichtigt und in ihrer Subjektwerdung unterstützt werden. Die Jugend als einheitliche Gruppe gibt es nicht! Jugendliche pflegen unterschiedliche Lebensstile und gehören unterschiedlichen Szenen an. Für die Zukunft muss in der kirchlichen Jugendarbeit verstärkt bedürfnis- und zielgruppenorientiert gearbeitet werden. Dies können beispielsweise spezifische Angebote in der offenen Jugendarbeit sein oder Angebote im Rahmen einer Jugendkirche, wie sie von der kantonalen Jugendseelsorge in Zürich geplant werden. Die Jugendarbeit braucht Ressourcen, Freiraum und Anerkennung Die kirchliche Jugendarbeit braucht gut ausgebildete Mitarbeitende und vernünftige Budgets. Um die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können, ist ein höherer Mitteleinsatz nötig. Jugendarbeit kann sich nur dann entwickeln, wenn die Jugendlichen und Mitarbeitenden einen Freiraum vorfinden, innerhalb dessen Neues ausprobiert werden kann. Jugendarbeit ist kurzlebig und braucht einen langen Atem im Suchen von neuen Möglichkeiten, ohne Freiraum ist dies nicht möglich. Jugendarbeit hat, verglichen mit anderen Feldern der Pastoral, eine tieferes Prestige. Jugendarbeitende erfahren oft wenige Anerkennungen für ihre Arbeit. Dies erleben nicht nur die professionell, sondern auch die ehrenamtlich tätigen. Literatur - Fachstelle für kirchliche Jugendarbeit. (2001). Jugend u Religion. Neue Perspektiven für die religiöse Begleitung und Bildung von Jugendlichen. Zürich: Deutschschweizer Fachstelle für kirchliche Jugendarbeit.
- Fachstelle für kirchliche Jugendarbeit (2003) Perspektiven pfarreilich orientierter Jugendarbeit. - Gelebte und reflektierte Praxis der pfarreilich orientierten Jugendarbeit der katholischen Kirche in der deutschsprachigen Schweiz. Zürich: Deutschschweizer Fachstelle für kirchliche Jugendarbeit http://www.kath.ch/jugend/fachstelle/presse/PJA.pdf
- Haslinger, Herbert (1991). Sich selbst entdecken – Gott erfahren. Für eine mystagogische Praxis kirchlicher Jugendarbeit. Mainz: Grünewald.
- Hobelsberger, Hans (2002) Erlebnissolidarität – Engagement in der Eventkultur, In: Hans Hobelsberger und Paul Hüster (Hrsg) Event im Trend Düsseldorf: Haus Altenberg S. 133-156
- Synode 72 St.Gallen. (1976). XI: Bildungsfragen und Freizeitgestaltung. Synode 72 Bistum St. Gallen. Verabschiedeter Text. St. Gallen.
- Synode 75 BRD. (1976). Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit. Beschluss. - Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland. Beschluss der Vollversammlung. Freiburg i.Br.
- Verein Deutschschweizerischer JugendseelsorgerInnen. (2001). Magna Charta – Grundlage für eine gelingende kirchliche Jugendarbeit in der Schweiz
(Endnoten): 1 Leicht veränderte Version von: Schenker, D. (2004). Lob des Alltäglichen. Kirchliche Jugendarbeit in der deutschsprachigen Schweiz. Schweizerische Kirchenzeitung, 24/2004 10. Juni, 446-449. 2 Dieser Abschnitt stammt von Dorothee Foitzik, Co-Leiterin Fachstelle 3 Dieses Verständnis der gelebten Jugendarbeit in der deutschsprachigen Schweiz widerspiegelt sich im Perspektivenpapier, das im letzten Herbst von bischöflichen Verantwortlichen für Jugendpastoral und den Vertreterinnen und Vertretern der Jugendarbeit ausgearbeitet wurde 4 Synode 72 St. Gallen. XI Bildungsfragen und Freizeitgestaltung, XI 30 6 Synode 72 St. Gallen. XI Bildungsfragen und Freizeitgestaltung, XI 29 7 vergl. Magna Charta 8 Hans Hobelsberger, Erlebnissolidarität S.144 9 Synode 75 BRD. Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit. 10 Jugend und Religion, S. 37 11 vergl. Herbert Haslinger, Sich selbst entdecken – Gott erfahren 12 Perspektiven pfarreilich orientierter Jugendarbeit Fachstelle für kirchliche Jugendarbeit Dominik Schenker Auf der Mauer 13 8001 Zürich Tel 044 266 69 99 Email info.fachstelle.info www.fachstelle.info Artikel als pdf downloaden Die kirchliche Jugendarbeit ist Wegbegleitung junger Menschen
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